Frisch unterwegs
Bevor der Gaumen eines Gastes verwöhnt werden kann, müssen Koch und Ware mindestens einmal von irgendwo nach irgendwo gekarrt werden. Die Frage, womit dies geschieht, ist vielleicht nicht die wichtigste. Aber es ist eine.
Aus der gesamten Bandbreite von möglichen Ansprüchen, meint Hubert Erni, diejenigen seiner potenziellen Kunden recht genau antizipieren zu können. Und was sein Gespür sagt, hat Auswirkungen. Nicht zuletzt darauf, welcher Autoschlüssel in Ernis Blazer-Tasche klimpern wird. In der Garage des Edelcaterers vom Zugersee stehen ein VW Touran und ein Porsche. «Je nachdem, wie ich einen potenziellen Kunden vor dem ersten Gespräch einschätze, fällt meine Wahl», sagt Erni. Den VW nehme er für solche, die es sparsam und deshalb umweltfreundlich mögen. Der VW dürfte sich zudem prima dafür eignen, den fahrbaren Stolz des (männlichen) Kunden nicht unnötig zur Zweitklassigkeit zu degradieren. Der Porsche hingegen kommt für Verfechter von zeitlosem Sportgeist und unauffälliger Auffälligkeit zum Zug. Wie auch immer Ernis Wahl fällt, er nutzt das Image seiner Fahrzeuge bewusst für die Gestaltung seines ersten Eindruckes. Und gemäss eigener Aussage tut er dies erfolgreich. Die beiden Fahrzeuge, mit welchen Hubert Erni zu Kundengesprächen dümpelt oder düst, nützen ihm beim Geschäften und nützen somit seinem Geschäft – womit das Thema auf Umwegen und zu Ungunsten von Porsche gesetzt wäre: Nutzfahrzeuge.
Man soll nicht protzen
Nun wäre Ernis Porsche von seiner technischen Potenz her sicherlich in der Lage dafür zu sorgen, dass weder eine allfällige Kühlkette unterbrochen würde, noch ein heisses Edelsüppchen auf dem Weg zum Kunden abzukühlen drohte. Aber es mangelt an Stauraum, weshalb Hubert Erni nicht auf Nutzfahrzeuge im klassischen Sinn verzichten kann. Schliesslich muss, damit das Catering unvergesslich wird, zunächst auch der Transport klappen «comme il faut». Erni setzt dabei auf Understatement. Sein Fuhrpark besteht aus mehr als einer Handvoll Nutzfahrzeuge, eines davon gekühlt – alle in dezentem Weiss und mit schwarzem Interieur. «Man soll nicht protzen», sagt Erni, der als Chef selbst für die Wahl der Firmenfahrzeuge zuständig ist. «Bei einem Catering gehört die Show dem Kunden und nicht dem Caterer.»
Ebenfalls Herr über einen Fuhrpark ist Karl Neff, Leiter Betriebe und Geschäftsleitungsmitglied der Gastronomiegruppe ZFV.
Für das Unternehmen stehen derzeit insgesamt 35 Fahrzeuge in Betrieb, «Tendenz steigend», wie Neff angibt und mit dem Geschäftsgang begründet. Bei den klassischen Nutzfahrzeugen gibt es bei ZFV zwei Richtgrössen: «Sie müssen in erster Linie praktikabel sein und dürfen ein Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen nicht überschreiten. Mit Fahrzeugen über diesem Wert zu arbeiten, sei schlicht mühsam, so Neff. Dies, weil Fahrzeuge über 3,5 Tonnen als Lastkraftwagen klassifiziert werden, dessen Fahrer über ein entsprechendes Billett verfügen und sich an geltende Ruheregelungen halten muss. Zudem gilt für LKWs bekanntlich ein Nacht- und Sonntagsfahrverbot, was der effizienten Bewirtschaftung im Wege steht. Diesbezüglich gibt sich Karl Neff selbstbewusst: «Konkrete Möglichkeiten, Kosten einzusparen, sehe ich nicht.» Man sei bei ZFV im Gegenteil gar bereit, für moderne und saubere Technik «etwas mehr zu bezahlen, solange sich der Mehrbetrag in einem vernünftigen Rahmen bewegt», so Neff. Zur Ergänzung der Diesel-Lieferwagen wurde denn auch ein Gasantrieb geprüft – aber nicht angeschafft. «Solche Fahrzeuge gibt es noch kaum ab Stange. Und wir wollen schliesslich nicht mehr bezahlen, bloss um Versuchskaninchen zu sein.»
Vollständiger Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.
Ausgabe 2/2009

