Geld her

Hohe Investitionskosten und tiefe Ertragswerte, Gastronomen haben bei den Banken traditionell einen schweren Stand. Wer Geld braucht, braucht meist auch professionelle Hilfe, um von der Bank überhaupt angehört zu werden. Aussichtslos ist das Unterfangen Bankkredit aber auch während der Finanzkrise nicht.

Text: Tobias Hüberli/Fotos: Christian Schwarz & Rolf Willi

Der Selbstversuch dauert gerade mal sieben Minuten, davon trällert drei Minuten lang der Hit Millennium von Robbie Williams aus dem Hörer. «Es tut uns leid, die Credit Suisse unterstützt keine Start-Up-Projekte im Gastgewerbe, viel Glück trotzdem». Unser sorgfältig erfundenes marokkanisches Café-Konzept mit Take-Away-Service an bester Zürcher Lage schafft es nicht einmal zum Kundenberater, obwohl wir versichern, dass Business-Plan, Budget, Projekt und Eigenkapital hieb- und stichfest dokumentiert seien. Noch höher sind die Hürden bei der UBS. «Sie müssen uns die Geschäftsberichte der letzten drei Jahre vorlegen, sonst können wir nichts machen.» Strenge Anforderungen, sind Geschäftsberichte vor einer Unternehmensgründung doch recht rar gesät.

Nun sind Bankiers, die Gastronomen Kredite verweigern, keine gefühlslosen Geizhälse, sondern wohl eher besonnene Naturen mit gesundem Menschenverstand. Denn nur gierige Börsenspekulanten, Autogaragen und Modeboutiquen brocken einer Bank erfahrungsgemäss mehr Verluste ein, als die Gastronomie. Die hohen Investitionskosten und tiefen Ertragsmargen im Gastgewerbe sind auch mit viel Kreativität nicht wegzureden. Kein Wunder wird der Rössli-Wirt, der Quereinsteiger, aber auch der Gourmetkoch von den Banken ganz genau oder zuweilen erst gar nicht unter die Lupe genommen.

In der Finanzkrise und der damit einhergehenden nationalen Bankenächtung geht schnell vergessen, dass die Mehrheit der Bankangestellten ihre Arbeit seriös verrichtet und dabei keine Millionensaläre einsteckt. Wie gesprächsbereit eine Bank ist, hängt von ihrer Geschäfts-Philosophie und der geographischen Lage ab. «Bei uns bekommt jeder ein Beratungsgespräch, aber nicht jeder einen Kredit», sagt Stefan Schober, Kundenberater der Zuger Kantonalbank. Wenn aber die Idee stimmt, ein vernünftiger Businessplan vorliegt und ein angemessenes Eigenkapital vorhanden sei, könne es durchaus zu einer Zusammenarbeit kommen. Dabei sind kleinere Kreditgeschäfte für eine Bank nicht rentabel. «Mit Krediten alleine verdienen wir oft kein Geld, aber wir wollen ja mit unseren Kunden wachsen und so langfristig eine gewinnbringende Beziehung schaffen», so Schober. Was in Zug gilt, ist in Anderswo nicht zwingend der Fall. «Die wirtschaftliche Lage der Region ist bei der Kreditvergabe ein wichtiger Faktor; Zug ist ein florierender urbaner Kanton, ein Bankkredit ist deshalb wahrscheinlicher, als in einer wirtschaftlich schwächeren Region.»

Die Schweizer Banken versichern auf Anfrage, dass die Finanzkrise nicht zu einer verschärften Kreditpolitik geführt hat. Die UBS «finanziert weiterhin Betriebskonzepte in der Gastronomie, die attraktive Ertragspotentiale versprechen», bei der Zürcher Kantonalbank «erfolgt die Kreditvergabe unverändert nach objektiven betriebswirtschaftlichen Kriterien», und auch die Raiffeisenbank «hält an ihrer Kreditpolitik für KMUs fest». Bankkredite an die Gastronomie bleiben also auch während der Krise genauso selten, wie vorher.

Zwar verzichten heute die meisten Banken bei Kreditgesuchen auf ein so genanntes Branchenrating, bei der Gastronomie schaut man trotzdem noch etwas genauer hin. Wenn zum Beispiel der Erfolg eines Betriebes eng mit dem Namen des Wirts verknüpft und dessen Pensionierung nicht mehr fern ist, wird sich jede Bank zweimal fragen, ob sie das Risiko eingehen will. Auch eine gute Bausubstanz und goldene Wasserhahnen sind kein Vorteil. Bei Krediten für Gastronomie-Immobilien zählt einzig der potentielle Ertragswert, nicht aber der Bauwert des Hauses.

Das hat in den letzten Jahren zu einer prekären Situation im Markt der Gastronomie-Immobilien geführt. «Zurzeit findet ein Generationenwechsel statt», sagt Erich Bühler, Unternehmensberater der Gastroconsult AG. Viele Wirte stehen vor dem Ruhestand  und wollen den Betrieb verkaufen, um ihre «Pensionskasse» auszulösen. Käufer finden sich zurzeit aber nur selten, auch weil der Kaufpreis der nicht immer zentral gelegenen Gasthöfe und Restaurants gegenüber dem Ertragswert zu hoch ist und keine Bank bei der Finanzierung helfen will.

Vollständiger Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.

Ausgabe 2/2009

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