Bocuse d’Or 2009

Am diesjährigen Bocuse d’Or dominierten die nordeuropäischen Länder. Die besten Köche kommen aus Norwegen, Schweden und Frankreich. Der Schweizer Finalist Stéphane Décotterd erkochte sich einen respektablen fünften Schlussrang.

Text: Tobias Hüberli, Lyon/Fotos: ZVG

Stéphane Décotterd und sein Commis Antoine Allume liessen sich von den Fotografen und Kameras vor ihrer winzigen Kochbox nicht stören. Keiner redete, jeder Handgriff sass, alles war hundertmal durchgeprobt. 5½ Stunden hatten sie Zeit um je ein Fisch- und ein Fleischgericht mit Garnituren für 12 Personen zu kreieren. Zur Verfügung standen den Finalisten des Bocuse d’Or für den Fischgang frischer Kabeljau, Coquilles St-Jacques und norwegische Wildfangcrevetten, und für den Fleischgang Filet, Rippenstücke, Backen und Schwanz eines schottischen Aberdeen Angus Beefs.

24 Köche aus 24 verschiedenen Ländern kämpften im Januar in Lyon um die Krone des prestigeträchtigsten Kochwettbewerbs überhaupt. Jeder Finalist hatte über ein Jahr lang jede freie Minute in das Training investiert. Eine ungeheure Belastung für den Koch und seine Familie. Die Anspannung war bei jedem Einzelnen spürbar.

Stéphane Décotterd und Antoine Allume konnten allerdings auf eine lautstarke Unterstützung zählen. In der Mitte der Tribüne, direkt vor der Schweizer Box, hatten sich zahlreiche Schweizer Fans eingerichtet; mit rot-weissen T-Shirts, Schweizer Fahnen, Kuhglocken, sogar einige Alphörner waren dabei.
Als die Schweiz ihre Fischplatte pünktlich vor die Juroren schickte, war im Saal denn auch der Teufel los. Der lautstarke Jubel zauberte dem Schweizer Jury-Mitglied Philippe Rochat tatsächlich ein herzhaftes Lächeln auf sein sonst stets strenges Gesicht und der Moderator befürchtete scherzhaft eine Beeinflussung der Jury.

Eine Bilanz nach dem ersten Tag und der Hälfte der Finalisten fiel schwer. «Die Fischplatte von Stéphane ist vorne dabei und auch der Fleischgang war fehlerfrei», resümierte Philippe Rochat die Schweizer Leistung. Allerdings war das Niveau am Bocuse d’Or derart hoch und die Unterschiede derart klein, dass eine Prognose für die Zuschauer fast unmöglich war. Vor allem, weil die Jury weniger auf die Präsentation, als auf den Geschmack der Gerichte achtete. «Wenn es die Schweiz unter die ersten Acht schafft, ist das ein sehr gutes Ergebnis», so Rochat.

Für das Podest, wie Franck Giovannini vor zwei Jahren, reichte es denn nicht. Norwegen und Schweden platzierten sich vor Frankreich. Der fünfte Schlussrang von Stéphane Décotterd ist trotzdem hoch einzustufen und zeigt, dass die Schweiz auf höchstem Niveau mithalten kann. Und der Bocuse d’Or ist zwar eine wichtige Erfahrung, aber auch nicht alles, wie es Philippe Rochat nach dem ersten Finaltag schön sagte: «Das ist ein Kochwettbewerb, das Leben geht aber weiter.»

Ausgabe 2/2009

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