Tafeln zu Thun
Wenn es um Stadtpolitik geht, hört man in Thun so einiges. Aber wir sind ja nicht zum Politisieren hier, sondern zum Essen – und das kann man in Thun wahrlich wie ein König. Ein Streifzug durch gemütliche Wirtschaften und hervorragende Küchen.
Wer sich mit Thun befasst, der staunt. Zahlreiche Wirte aus der Innenstadt klagen über Gesetzesreiterei und Überregulierung: «Unsere Politiker wollen aus Thun eine Grossstadt machen. Aber wenn sich das Volk abends amüsieren will, müssen wir die Zeche dafür bezahlen.» Mit der «Zeche» meinen sie die Sicherheitspatrouille, die von Mai bis Oktober in Thun für Ruhe und Ordnung sorgt, und welche die Wirte mit Überzeitbewilligung mit rund 17000 Franken jährlich berappen müssen. Die Stadt leistet dazu einen Beitrag von weiteren 60000 Franken pro Jahr. Beim Gewerbeinspektorat will man von Überregulierung nichts wissen. Diese Lösung sei im Einverständnis mit den betroffenen Wirten erarbeitet worden und geniesse eine breite Zustimmung. Jedes Jahr werde die Situation neu besprochen und es bestehe jeweils eine Beschwerdemöglichkeit. Eine solche sei aber bisher noch nie eingegangen, so das Gewerbeinspektorat.
Sei’s drum, die Thuner Politik überlassen wir anderen und entschliessen uns deshalb, weniger zu reden, dafür mehr zu essen. Wir wagen uns direkt ins Zunfthaus zu Metzgern mitten in der Altstadt. Früher gehörte das Gebäude aus dem Jahr 1361 der Metzgerzunft. Heute darf und sollte dort jeder rein. Das Gastgeberpaar Renate Fankhauser (36) und Martin Moser (35) sorgen in der gemütlichen Gaststube für unkomplizierte Behaglichkeit. Am Mittag treffen sich hier die Notare, Ärzte, Lehrer und Verkäufer zur gemeinsamen Mittagspause. Zu dieser Zeit stehen jeweils drei Menus zur Auswahl, abends wird à la carte getafelt.
Küchenchef Gilberto Rabozzi (57) ist gebürtiger Italiener und beschreibt seine Küche als leicht, helvetisch, saisonal mit mediterranem Einfluss. Convenience ist tabu, und viele Zutaten stammen aus biologischer Landwirtschaft. Seit fünf Jahren ist das Zunfthaus zu Metzgern deshalb mit dem Qualitätslabel «Goût Mieux» ausgezeichnet. Wir kosten ein Omelett mit Lauchrisotto und Kräuterjus sowie eine hausgemachte Fleischlasagne. Danke, lieber Gilberto, du hast uns mit deinen Gerichten den Frühling in den Gaumen gelockt, auch wenn es draussen noch bitterkalt ist.
Mit vollem Magen flanieren wir durch die Thuner Altstadt. Stress ist ein Fremdwort hier, kleine Spezialitätengeschäfte reihen sich Tür an Tür, oh ja, hier lässt es sich leben.
Im Bälliz, ein Stadtteil, der auf der Insel zwischen der inneren und äusseren Aare liegt, entdecken wir eine kleine, aber feine Wirtschaft: den Steinbock. Die Wirtin Barbara Kernen-Schneider (44) führt den Familienbetrieb in dritter Generation. Die Kochlehre hatte sie anno dazumal bei ihrem Vater höchstpersönlich absolviert. Er vermittelte ihr das Kochen von der Pike auf. Die Karte im Steinbock verspricht gut bürgerliche Schweizer Gerichte mit Produkten aus Hof, Garten, Wald und Thunersee. Es gibt allerdings auch exotische Abstecher.
Barbara Kernens Muscheln sind immer heiss begehrt. Manchmal ärgert sich die Gastgeberin über die vielen Schnellverpflegungsrestaurants und Pizzerias, die mit tiefen Preisen die Mittagsgäste weg-locken. Trotzdem hält sie an ihrer Küchenphilosophie fest und kocht täglich alles frisch. «Ein Zmittag im Steinbock kostet dann schon mal über 20 Franken, dafür ist es gesund und hat einen hohen Nährwert», sagt sie. Jawohl, sagen wir und unterdrücken Schmährufe in Richtung der Tiefpreiskonkurrenz.
Vollständiger Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.
Ausgabe 2/2009


