«Mit allen fünf Sinnen»
Im Alter von 28 Jahren übernahm Frederik Jacobs als Haupt-Franchise-Nehmer die drei Genfer Betriebe des belgischen Bäckerei-Kaffeekonzepts «Le Pain Quotidien». Vor einem Jahr eröffnete er zwei neue Filialen in Zürich. Fünf weitere sollen folgen.
Frederik Johann Jacobs (30) wurde als zweites von sechs Kindern in Zürich geboren. Sein Grossvater stammt aus der Jacobs-Kaffee-Dynastie. 1996–1999 absolvierte Frederik Jacobs eine Kochlehre im Hotel Savoy. Danach unternahm er drei Monate lang eine Reise durch Amerika, um sich diverse Universitäten anzuschauen. Anschliessend arbeitete er in der Kaufleuten-Lounge im Service. Darauf folgte eine Stelle im Parkhotel Baden Baden, wo er das Hotelhandwerk, vom Zimmerputzen über Kellnern bis hin zur Rezeption lernte. Jacobs studierte in San Francisco und schloss 2004 sein Studium in Business Administration und Economics mit einem Bachelor ab. Nach einem Aufenthalt in London übernahm er die Haupt-Franchise von Le Pain Quotidien Schweiz. Zu den drei bestehenden Betrieben in Genf eröffnete er zwei neue Restaurants in Zürich. Le Pain Quotidien wurde von Alain Coumont, einem Koch aus Brüssel entwickelt und wird weltweit im Franchise-System betrieben. Die Operative Leitung von Le Pain Quotidien befindet sich in Amerika.
Salz&Pfeffer: Frederik Jacobs, Sie sind Haupt-Franchise-Nehmer für Le Pain Quotidien in der Schweiz. Wie kommt ein 30-Jähriger zu dieser Position?
Frederik Jacobs: Nach dem Studium in San Francisco arbeitete ich in London und wollte eigentlich ein bolivianisch-peruanisches Restaurant eröffnen. Dieser Plan fiel aber ins Wasser, weil mein Geschäftspartner kurz entschlossen nach Australien auswanderte. Dafür lernte ich Ivan Levy kennen, welcher bereits vor Jahren die Marke The Body Shop in die Schweiz holte. Er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm zusammen die Le Pain Quotidien-Betriebe in der Schweiz zu übernehmen und weitere aufzubauen. Ich sagte sofort zu, weil mir das Konzept gefiel.
S&P: Damals existierten bereits drei Le Pain Quotidien-Restaurants in Genf. Was geschah damit?
Jacobs: Als ich das Franchise übernahm, konnte ich diese kaufen. Zuvor gehörten sie seit elf Jahren zwei Genfer Familien. Der Vertrag, den sie mit Le Pain Quotidien hatten, war gerade mal eine A4-Seite lang und deshalb konnten die Familien mit dem Konzept ihre eigene Sache machen. Sie schafften sich über die Jahre einen Freiraum, welcher für den Franchise-Geber nicht mehr akzeptabel war. Deshalb suchte die operative Leitung von Le Pain Quotidien in Amerika nach einem neuen Franchise-Nehmer für die Schweiz.
S&P: Wie lang ist Ihr Vertrag?
Jacobs: Zweimal 70 Seiten. Aber ein Vertrag ist das eine, wie er umgesetzt wird, ist das andere. Es sitzen Amerikaner dahinter, und die wollen jeden Punkt geregelt haben. Der Vertrag ist also streng, für die Umsetzung bleibt jedoch genügend Spielraum.
S&P: Was heisst das?
Jacobs: Da Le Pain Quotidien ein junges Unternehmen ist und sich erst seit vier Jahren international dem Wachstum verschreibt, vertrauen die Franchise-Geber noch sehr stark auf den lokalen Franchise-Nehmer, damit er das Konzept dem lokalen Markt anpassen und weiterentwickeln kann.
S&P: Sie kauften drei Betriebe in Genf und eröffneten vor einem Jahr zwei Le Pain Quotidien-Restaurants in Zürich. Wie finanzieren Sie sich?
Jacobs: Eine Zürcher Lokalbank unterstützt das Franchise zu einem gleichen Teil wie ich. Meine Herkunft gibt mir die Möglichkeit, meinerseits genügend finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Ein Privatinvestor hat mir noch geholfen. Zu dritt konnten wir eine Finanzierung auf die Beine stellen, die es uns erlaubte, die drei bestehenden Restaurants in Genf zu kaufen, die Franchise-Rechte zu sichern und die Expansion zu verantworten.
S&P: Spüren Sie einen Druck vom Lizenzgeber, bald auch in Basel und Bern eröffnen zu müssen?
Jacobs: Wir haben uns diesen Druck selber auferlegt und uns für eine Expansionspolitik verpflichtet. Innerhalb von fünf Jahren müssen in der Schweiz gesamthaft zehn Restaurants existieren. Das ist eine Expansion, die nicht aggressiv ist. Wir wollen nicht in jeder Ecke eröffnen wie Starbucks. Jedes Restaurant von uns soll einzigartig sein.
S&P: Die Schweiz steckt mitten in einer Krise. Wie geht es Ihnen finanziell?
Jacobs: Im letzten Jahr haben wir gesehen, dass das Model Le Pain Quotidien funktioniert. Allerdings mussten wir unsere finanziellen Erwartungen etwas anpassen, weil Zürich Neuland ist und wir nur Erfahrungen aus Genf hatten. Grundsätzlich funktioniert es aber gut. Le Pain Quotidien hat einen Bonus, weil wir alles anbieten, was die Leute in der Krise suchen, Wärme, Herzlichkeit, und Kontakt zu Menschen.
S&P: Franchise-Unternehmen sind bei den Schweizer Gästen nicht unbedingt beliebt.
Jacobs: Da schliesse ich mich nicht aus. Die Konsumenten bevorzugen ein individuelles Restaurant, bei dem sie wissen, von welcher Familie es geführt wird. Auch im Römerhof wollten viele lieber ein Quartierbeizli, das von jemandem aus dem Quartier geführt wird.
S&P: Dann haben Sie im Römerhof einfach mal eröffnet und geschaut was passiert?
Jacobs: Wir haben eröffnet und wurden überrannt. Der Hunger nach Neuem ist in Zürich grundsätzlich gross. Ausserdem sind wir nicht viel anders als ein Familienbetrieb. Meine Mutter gestaltet die Tischdekoration für die Betriebe in Zürich.
Vollständiger Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.
Ausgabe 8/2009

