Von Märkten und Menschen

Wenn Sie einen Dollar in Ihr Unternehmen stecken wollen, so müssen Sie einen weiteren bereithalten, um das bekannt zu machen, sagte Henry Ford. Salz&Pfeffer zur Kommunikation an und für den Gast. Was ein Gastgewerbler nicht vernachlässigen sollte, wenn er nicht vernachlässigt werden will.

Text: David Höner/ Fotos: zvg

Mindestens neue Vorhänge sollten es sein. Und der eine oder andere Stuhl in der Gaststube muss ausgewechselt werden. Überhaupt Möbel. Die Butzenscheiben im Eingang zum Säli sind auch nicht mehr zeitgemäss. In den Hotelzimmern ist über die Jahre und Ikea sei Dank, ein wilder Stilmix entstanden. Tante Ernas Kommode im Gang mit der Bettwäsche müsste abgeschliffen und neu lackiert werden. Wer hat die eigentlich vor dreissig Jahren grün angestrichen? Und seit Vater die drei alten Apfelbäume im Garten nicht mehr selber schneiden kann, sind sie wild ausgeschlagen. Mit der Lüftung in der Küche kann man gerade noch einen Hamsterkäfig belüften. Im Keller müffelt es, anscheinend eine undichte Wasserleitung. Ist es so, dass die Gläser in der Bar einen Aufdruck haben müssen? Hier steht Ricard drauf, hier Bacardi. Werbegeschenke! Das muss doch alles weg. Und dann ist ein Umbau angesagt.

Man will es sofort anpacken. Der Traum vom eigenen kleinen Hotel mit dem gepflegten Park. Und die Erbgemeinschaft kann sich sogar einigen, es wird investiert. Ein Bijou soll es werden. Selber hinter die Rezeption will sich niemand stellen und Koch ist auch keiner. Dafür engagieren wir Profis. Engagierte Berufsleute die Unseres zu Ihrem machen. Aber den Umbau machen wir nach unseren Wünschen. Ich habe doch schon als Dreikäsehoch hier unterm Apfelbaum … jaja … deinen ersten Rausch auch. Weisst Du noch wie die Kuh vom Nachbarn? Ein Stier wars! Ist nicht der, wie-heisst-er-gleich-noch, der ist doch damals in die Parallelklasse gegangen, der ist doch Architekt, den rufen wir gleich mal an.


Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen

Es muss nicht genau so sein, aber so könnte es sein. Wie immer auch die Ausgangslage ist, um ein Hotel oder ein Restaurant aufzumachen, es kostet Geld. Vor der Neueröffnung kommt die Investition. Während grosse Unternehmen der Branche mit vorbereiteten Konzepten und einem erfahrenen Team von Fachleuten vielfältiger Provinienz zielstrebig ihre Konzepte umsetzen, stehen andere vor einer ungeheuer komplexen Aufgabe. Rein technisch gesehen gibt es zahllose Vorschriften zu beachten. Die Architekten, die Küchenbauer, die Gärtner, die Sanitäre, die Elektriker und die Schreiner werden ihren Aufgaben gerecht. Es ist jedem klar, dass die entsprechenden Fachleute das Ruder in die Hand nehmen müssen. Im ganzen Vorfeld, im euphorischen Aufbruch müssen aber auch Zielvorstellungen und Marketingstrategien ins Denken mit einbezogen werden. Diese bleiben gerne auf der Strecke angesichts der Blaupausen und der geforderten technischen Notwendigkeiten, die man erfüllen muss. Für eine professionelle Aufgleisung der Stärken und Schwächen, einer Marketingstrategie, einer Identität empfiehlt sich die Hilfe von professionellen Mitdenkern.


Alte Zeiten versus Zeitgeist

Während früher im Gastgewerbe bestehende Konzepte über Jahre und Jahrzehnte bestehen konnten, ist heute ein anderer Markt entstanden. Veränderungen und Bedürfnisse sind einem schnellen Wechsel unterworfen, die Konkurrenz schläft nicht. In kurzer Zeit muss das Neue dem Alten weichen. Ganze Inneneinrichtungen werden nach fünf Jahren als nicht mehr zeitgemäss empfunden und hip und hop ausgewechselt. Auf einem Markt, der sich ständig verändert, wird um die Gäste geworben. Zielgruppen werden direkt angesprochen, jüngere oder ältere Kundschaft, Touristen oder Geschäftsleute, Sporthotel mit Spa und Gesundheitsbereich oder urbanes Design, mit Kinderspielplatz, mit Fumoir, Musik im Lift? Währschafte Küche oder Gourmettempel. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Noch vor wenigen Jahren genügten das Wirtshausschild, der Eintrag im Branchenbuch und ein Prospekt beim örtlichen Tourismusbüro. Heute sind es völlig veränderte Parameter, die Erscheinung und Handschrift eines Betriebes ausmachen. Wenige Häuser können aus den gewachsenen Wurzeln beliebter und erprobter Erfahrung existieren. Das Zürcher Hotel Baur au Lac, mit einer fantastischen Auslastung von 95 Prozent beispielsweise. Doch auch dort muss und wird einer modernen Selbstdarstellung im Internet und einer zeitgemässen Information der Gäste Rechnung getragen. Bei einem sich immer wieder erneuernden Angebot ist es unabdingbar geworden, Werbe- und Kommunikationskonzepte gezielt auf die Besonderheiten eines Betriebes und dessen Qualitäten aufzubauen. Eine nachhaltige Wirkung ist Wunsch, Hoffnung und Glaube der Macher. Ein schwieriges Feld, das etwas mit Hellsehen und Wahrsagen zu tun hat. Es ist nicht erlaubt die Details zu vernachlässigen. Wenn alles stimmt fällt es nicht auf, wirkt auf Gast und Gastgeber gleichermassen. Doch wehe, der blaue Teppich beisst sich mit dem hellgrünen Anstrich des Treppenhauses, oder die Speisekarte bietet im umweltbewussten Gartenlokal den letzten roten Thunfisch an. Die Gäste registrieren Fehler, Ungereimtheiten und Schwächen. Ein leichtes Unbehagen verscheucht sie. Das Bewusstsein um die Gnadenlosigkeit des Verdrängungsmarktes Gastgewerbe, gehört den bestehenden und angehenden Unternehmern der Branche ins Gehirn gehämmert. Der Gast bleibt Massstab aller Dinge.


Situationen

Wenn an einem Ort der «Bären» seit vierhundert Jahren als erprobter Dorfkrug, Vereinslokal und Hochzeitssäli in seiner unbestrittenen Existenz ruht und die im Gewerbe aufgewachsenen Kinder den Gasthof übernehmen, ist es der sicheren Hand und Präsenz der Vorfahren zu verdanken, dass es den Bären gibt. Doch wenn im gleichen Dorf der Secondo Danieli eine Pizzeria aufmacht, müssen auch die Bärenkinder darüber nachdenken, wie sie ihre junge Kundschaft bewerben sollen. Sonst ist sie verloren.
Und die «Traube» hinter dem Hügel macht plötzlich mit Bioprodukten von sich reden, derweil im Schloss Groppenbach auf dem Hügel der Schlosswirt pfiffige Erlebnisgastronomie (Ritterspiele mit original Hauen und Stechen) inszeniert. Jetzt geht’s los. Und Hand aufs Herz, wer kennt sie nicht, die resignierten Wirte, die vergessen haben zu reagieren und jammernd in ihren leeren Stuben sitzen, während der Pleitegeier seine Kreise über dem Dachfirst dreht. Natürlich gibt es Naturtalente, die kraft ihrer Persönlichkeit und dank ihrer Ausstrahlung die Gäste bei der Stange halten können. Doch in Zeiten wie diesen, wo der Gast, bevor er überhaupt irgendwohin aufbricht, sich zap-zap im Internet informiert, ist eine Internetpräsenz unabdingbar. Späte Rettungsversuche mit Flyern, Broschürchen, neuem Logo et cetera sind teuer und Flickwerk. Das mit dem eigenen Weitwinkel fotografierte Kämmerlein, als Romantiksuite angepriesen und ins Netz gesetzt, findet nur einen Kunden und der beschwert sich dann. Allerhöchste Zeit, Hilfe zu suchen.

Vollständiger Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.

Ausgabe 8/2009