Oh Heilige Kasse, schenk mir Wissen, schenk mir Macht
Moderne Kassensysteme registrieren fast alles und liefern dem Kassenmeister eine Flut von Informationen. Doch zuviel Information hat seine Tücken und nicht alles, was technisch möglich ist, ist rechtlich erlaubt.
Betrug & Kontrolle
Geklaut wird überall, die Gastronomie bietet Langfingern allerdings gleich eine Vielzahl an Entfaltungsmöglichkeiten. Häufig ist etwa der Stornierung-Diebstahl. Man tippt die Bestellung, zieht beim Gast ein und storniert anschliessend die Bestellung mit der Begründung, der Gast habe etwas anderes gewünscht. Das erhaltene Geld landet in der privaten Tasche. In hoch frequentierten Betrieben werden auch bereits benutzte, aber nicht beschädigte Quittungen bei einem neuen Gast wiederverwendet, das so kassierte Geld hinterlässt im System keine Spuren. Bei grösseren Betrugsfällen in der Gastronomie spannen meist mehrere Personen zusammen. Etwa die für das Buffet zuständige Person mit dem Chef de Service. Kassensysteme liefern oft Hinweise für Betrugsfälle, selten aber wirkliche Beweise. Heiss diskutiert werden deshalb Kamera-Systeme, welche, an das Kassensystem gekoppelt, alle Aktivitäten um die Kassenstation für die Beweisführung filmen. Derartige Überwachungstechniken sind laut Datenschutz und Arbeitsrecht aber nur unter klar definierten Bedingungen zulässig.
In einer Kasse, das weiss jedes Kind, hat es Geld. Und wo es Geld hat, da wird es spannend. Man erinnere sich an Dagobert Duck der vor Wonne jauchzend auf einem Berg von Goldtalern sitzt und eine übervolle Registrierkasse vor sich hinrattern lässt. Der Vorzeigeunternehmer aus Entenhausen spiegelt wie kein Zweiter das Glücksgefühl, welches man beim Anblick einer übervollen Kasse erleben kann. Dies setzt voraus, dass einem die Kasse samt Inhalt gehört. Und genau an dieser Stelle wird es kompliziert.
Man spricht gerne vom Herzen eines Betriebes. In einem Restaurant kann das die Küche, die Mitarbeiter, der Chef, die Bar, ja eigentlich fast alles sein, nur nicht die Kasse. Diese ist wohl eher mit einem weit weniger emotionalen, elektronischen Gehirn zu vergleichen. Ein System, das Buchhalter, Einkäufer, Statistiker und Marketingmensch in einem sein kann, ein System, das sich niemals irrt, nichts vergisst und bis ins Unmögliche vernetzbar ist.
Die einzig sichtbaren Teile der heutigen Kassensysteme, die so genannten Kassenstationen, sehen allesamt fast gleich und todlangweilig aus. Ein rechteckiger Klotz, obendrauf ein Flachbildschirm, auf dem das Servicepersonal mit flinken Fingern lautlos herumdrückt. Kein Rattern, kein Klingel Klingel, gar nichts. Verborgen vor dem Auge des Gastes jedoch, löst bereits das simple Verbuchen eines Kaffees eine unübersichtliche Kettenreaktion aus.
Das Kassensystem weiss dann etwa zu berichten, dass besagter Kaffee bereits der vierte ist, den Serveur Fritz in den letzten zehn Minuten an Tisch zwei bringen wird. Es errechnet Rendite, Umsatz und Mehrwertsteuer, kontrolliert gleichzeitig das Kaffeelager und bestellt bei Bedarf direkt und elektronisch Nachschub beim Lieferanten. Auch Serveur Fritz kommt nicht ungeschoren davon. Das System hat ihn bereits bei Arbeitsbeginn registriert, weiss also, seit wann er arbeitet, was und wie viel er in dieser Zeit verkauft hat und ob er vielleicht eine Bestellung storniert hat. In diesem Fall klingelt irgendwo im Kassen-Gehirn eine lautlose Alarmglocke, welche wiederum auf dem Tagesrapport vermerkt, dass Fritz potentiell in die eigene Tasche gearbeitet haben könnte. (Siehe Box)
Wer sich mit Kassensystemen beschäftigt, wird schnell mit einer Unmenge technischer Details zugeschüttet. Grob betrachtet kann man zwei Systemarten unterscheiden: Die Firmware-Kasse ist eine elektronische Kasse, die alle Funktionen bietet, welche ein klassischer Gastronomiebetrieb heute braucht. Die PC-Kasse hingegen ist ein industrieller Computer mit einer Kassensoftware. Diese Kassensysteme können weltweit vernetzt werden und bieten, je nach Software, fast unendliche Einsatzmöglichkeiten.
Das Kassensystem der Tibits AG beispielsweise ist mit allen Betrieben in der Schweiz und in London vernetzt. Die Umsatzzahlen, der Warenverbrauch et cetera können in Zürich bequem und jederzeit zentral abgerufen werden. In Bundesbern benutzt man Kassen, die mit verschiedenen Datenbanken verbunden sind. So kontrolliert die Software beim Zahlungsvorgang automatisch, ob der Gläubiger noch irgendwo Steuerschulden oder unbezahlte Verkehrsbussen offen hat.
Die Fühler eines Kassensystems reichen in alle Ecken eines Betriebs. Das mobile Bestellgerät des Servicepersonals funkt via Kasse die Bestellung auf den Küchendrucker, wo der Koch das Gewünschte auf den Herd knallt. Der Touchscreen der Kassenstation zeigt dem Chef de Service, wie lange Tisch fünf nun schon auf sein Dessert wartet, die elektronische Ausschankanlage rapportiert der Kasse die Anzahl verkaufter Flaschen und Getränke, die Verkaufszahlen landen zwecks Auswertung auf dem PC des Gastromanagers und so weiter und so fort.
Vollständiger Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.
Ausgabe 1/2009


