«Wir planen langfristig»
Der Schweizer Biermarkt ist gesättigt, die Marktanteile verteilt und die Absatzgebiete abgesteckt. Im Osten behauptet sich die Brauerei Schützengarten als grösste unabhängige Schweizer Markenbrauerei erfolgreich gegen internationale Bierkonzerne. Ein Gespräch mit Schützengarten-Geschäftsführer Christoph Kurer.
Christoph Kurer (1944) wurde in St.Gallen geboren. Nach der Matura absolvierte er ein Praktikum bei der Brauerei Müller in Baden, danach folgte ein Studium an der technischen Universität München, an der Fakultät für Brauerei- und Getränketechnologie. Bereits während dem Studium arbeitete er für verschiedene Brauereien in der Schweiz und in Frankreich. Nach dem Diplom zog Kurer nach Amerika, wo er zwei Jahre lang für die damals weltweit grösste Brauerei Anheuser-Busch arbeitete. 1971 kehrte er zurück in das Familienunternehmen Schützengarten und übernahm fünf Jahre später die technische Direktion der Brauerei. Seit 1996 ist er Vorsitzender der Geschäftsleitung. Die Brauerei Schützengarten ist eine Familienaktiengesellschaft. Seit Heineken die Luzerner Brauerei Eichhof aufgekauft hat, ist Schützengarten die grösste unabhängige Schweizer Markenbrauerei. Schützengarten hat letztes Jahr 175 000 Hektoliter Bier und 130 000 Hektoliter übrige Getränke abgesetzt.
Salz&Pfeffer: Christoph Kurer, Sie sehen aus wie ein Weintrinker.
Christoph Kurer: Das täuscht, ich bin ein ausgesprochener Biertrinker. Ich trinke etwa einen Liter Bier pro Tag. Meine Frau trinkt übrigens auch gerne Bier, allerdings erst seit wir uns kennengelernt haben.
Nach der Übernahme von Eichhof durch Heineken ist Schützengarten über Nacht zur grössten unabhängigen Schweizer Markenbrauerei mutiert. Wie fühlt sich das an?
Kurer: Gut eigentlich. Es ist schön, eigenständig zu sein. Das kommt bei unseren Kunden gut an. Der Trend geht generell zur Regionalität, davon können kleine und mittelgrosse Brauereien, so wie wir eine sind, profitieren.
Regionalität in Ehren, wann wird Schützengarten verkauft?
Kurer: Schützengarten wird nicht verkauft. Wir haben seit zehn Jahren eine überdurchschnittlich gute Entwicklung. Und das in einem Markt, der stagniert.
Eichhof lieferte auch prächtige Zahlen, bevor die Brauerei verkauft wurde, es ging darum, die Braut attraktiv zu machen.
Kurer: Eichhof war in einer anderen Situation. Im Gegensatz zu Eichhof sind wir nicht börsenkotiert, wir müssen nicht jedes Vierteljahr einen Abschluss präsentieren oder auf Teufel komm raus Gewinn erwirtschaften. Wir planen langfristig. Das ist die grosse Stärke von Betrieben in Familienhand.
Gerade mittelgrossen Brauereien wird eine schwere Zukunft prognostiziert. Zu gross für den Nischenmarkt, zu klein um mit Menge gegen die Grossen bestehen zu können. Wie sehen Sie das?
Kurer: Das ist eine alte Aussage. Schon vor dreissig Jahren sagte man, die mittelgrossen Brauereien würden sterben. Das stimmt einfach nicht. Im Biermarkt können Unternehmen von jeder Grösse überleben, wenn sie gut geführt sind. Aber man muss wissen, was man mit seiner Grösse machen kann und was nicht.
Im Fall von Schützengarten wäre das?
Kurer: Nach dem Verkauf von Eichhof hörte man von einigen Seiten den Ruf, dass Schützengarten jetzt expandieren müsse, gesamtschweizerisch aktiv werden. Aber genau das wollen wir nicht. Unser Gebiet ist die Ostschweiz inklusive die Agglomeration Zürich und das Fürstentum Liechtenstein. Und hier werden wir auch bleiben, weil wir einen gesunden Marktanteil haben. Weiter wollen wir nicht gehen. Innerhalb unseres Gebietes hat es durchaus noch weisse Flecken, wo wir uns noch entwickeln können.
Zum Beispiel?
Kurer: In Winterthur und im Zürcher Unterland.
Sie verkaufen über 50 Prozent Ihrer Bierproduktion in der Gastronomie. Sehen Sie Tendenzen?
Kurer: Wir beobachten eine Verlagerung im Bierverkauf von der Gastronomie hin zum Heimkonsum.
Woran liegt das, an der Finanz-Krise? Oder dem in St. Gallen schon länger eingeführten Rauchverbot?
Kurer: Solche Ursachenzuteilungen sind immer schwierig. Gesamthaft betrachtet spüren wir wegen dem Rauchverbot bisher eigentlich keinen Unterschied. Einige Betriebe haben natürlich Mühe, und die am 1. Juli in Kraft tretende Beschränkung auf nicht bediente Fumoirs im Kanton St. Gallen wird sicher nicht helfen. Wir haben den Absatz in der Gastronomie letztes Jahr halten können, allerdings auch durch den Gewinn von Neukunden.
Die Brauereien sind traditionelle Kreditgeber der Gastronomie, wie verhält sich Schützengarten diesbezüglich?
Kurer: Auch wir sind stark engagiert, als Bank der Gastronomie. Zum Glück haben wir die finanziellen Mittel dafür. Es ist allerdings wichtig, die Finanzierungen am richtigen Ort einzusetzen. Es liegt in unserer Verantwortung, hoffnungslose Fälle abzulehnen. Sonst ermöglicht man unter Umständen Leuten den Einstieg in die Gastronomie, die es besser lassen würden. Aber ohne Kredite von unserer Seite geht es nicht. Die Banken sind bekannterweise nicht sehr freigiebig mit Krediten fürs Gastgewerbe, und da springen die Brauereien in die Bresche. Viele Gastronomen sind angewiesen auf eine gewisse Hilfe, wenn sie anfangen wollen.
Die Konsequenz sind Bierlieferverträge und eine Biermonotonie.
Kurer: Wir sind eine Spezialitätenbrauerei und können dem Wirt deshalb eine relativ grosse Auswahl bieten. Neu haben wir etwa mit dem Weissen Engel auch ein ausgezeichnetes Weizenbier im Sortiment. Wenn einer denn unbedingt ein paar ausländische Biere braucht, so kann er auch das über uns beziehen. So gross ist die Einschränkung nicht. Aber klar, neben uns kann der Wirt nicht auch noch ein Feldschlösschen und ein Haldengut führen.
Vollständiger Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.
Ausgabe 4/2010

