Sal's Seafood, New Orleans

Text und Fotos: David Höner

Seit 32 Jahren verkaufen Ray und Sal Pennino gekochte und frittierte Meeresfrüchte in Marrero. Marrero, ein Vorort von New Orleans, liegt am westlichen Ufer des Mississippi. Von dort aus beginnen die Wege in die Bayous hinauszuführen, ins Delta, wo auf den Kanälen und in den Sümpfen und im Brackwasser die Krebse, Welse, Shrimps und Austern gefischt werden, die in der Küche von Sal’s Seafood täglich angeliefert werden. Dann, von 10 Uhr morgens bis etwa 9 Uhr abends, es hat solange es hat, wird verkauft. Auch zum Mitnehmen. Die wenigen Angestellten, sie sind zu dritt, manchmal zu viert, wenn viel los ist, arbeiten seit Jahren und Jahrzehnten für Sal und Ray, dazu kommen Familienmitglieder, die in den Ferien oder zwischen zwei Jobs vom Betrieb miterhalten werden. Das Angebot ist seit Jahrzehnten das gleiche, eben das, was das Delta anbietet, frittiert und gekocht, Red beans and rice mit Fisch oder, ganz klassisch, mit geräucherter Wurst.

Wer sich hinsetzt und das Sal’s Diner bestellt, dem wird der Tisch mit Zeitungspapier gedeckt. Danach kommen so viele Krabben und Shrimps und Krebse auf den Tisch, wie der Gast essen kann. Dazu gekochte, scharfe Kartoffeln, Maiskolben und Bier.
Das Seafood ist in einer nach Art der Cajun-Cuisine gewürzten Bouillon mit Sellerie, Gemüsepaprika und Zwiebeln gekocht worden, wer will, kann sich eine Tasse Brühe bringen lassen. Es gibt einige wenige Gerichte, besser Zutaten, die man separat bestellen kann, so etwa eine Krebspastete, gefüllte Krabben, Artischocken und Paprika sowie die Cajun-Dauerbrenner Jambalaya und Catfisch étouffée.

Frittierte oder rohe Austern gab es zur Zeit unseres Besuches in Marrero keine, wegen der Auswirkungen des Unfalls auf der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. In Sal’s Seafood kommt nichts auf den Tisch, was nicht von den altvertrauten und eingespielten Lieferanten gebracht wird. Slow Food? Nein, das ist einfach so. Hat es im Delta keine Austern, gibt es auch keine. Punkt. Ansonsten zeigt man sich nicht allzu besorgt. «Es wird schon wieder werden», ist die Grundstimmung.

Das perfekt zubereitete Essen lässt einen die karge Einrichtung vergessen. Zudem erfordert das Herausbrechen des Krebsfleisches aus Scheren und Beinen die ganze Aufmerksamkeit. Mit zunehmender Unordnung auf den Zeitungspapieren nimmt der Hunger ab.
Wer nun ein Glas kalten kalifornischen Chardonnay oder gar einen erfrischenden, prickelnden Prosecco wünscht, ist allerdings am falschen Ort. Bei Sal sind all die- se Krustentiere und Austern nicht der Menukarte aus den oberen Gehaltsklassen zuzurechnen. Nein, es sind handfeste, günstige Gerichte für Arbeiter, Taxifahrer, Fischer und Farmer. Es gibt Bier und Coca Cola dazu.
Sal’s Seafood ist bis ins French Quarter, Downtown New Orleans, ein Begriff, geradezu eine Berühmtheit.

Ausgabe 6/2010

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