Die Stelle auf dem Meer

Claudia Pfister arbeitet seit bald 20 Jahren auf Kreuzfahrtschiffen. Sie ist für die Rekrutierung des Kaders an Bord verantwortlich, übernimmt aber hin und wieder auch die Mutterrolle für das asiatische Personal, das unter Heimweh leidet. Was es braucht, dass man sich an Bord wohl fühlt, weiss niemand besser als sie.

Text: Regula Lehmann/Fotos: Marcel Studer

Salz&Pfeffer: Claudia Pfister, Sie arbeiten seit bald 20 Jahren für Kreuzfahrtschiffe. Ein Traumjob?
Claudia Pfister: Als ich 1991 bei Celebrity Cruises, einer grossen Kreuzfahrtgesellschaft anheuerte, gefiel mir der Lebensstil, den dieser Job mit sich bringt. Ich war als International Hostess für die Betreuung der nicht Englisch sprechenden Gäste zuständig – eine Aufgabe, die mir sehr gefiel. Mit den Jahren und der gewonnenen Erfahrung wurden meine Positionen aber immer anspruchsvoller und intensiver.

Sie haben Celebrity Cruises verlassen. Warum?
Claudia Pfister: Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich als Chief Concierge auf einem 2500-Passagier-Schiff nicht den Service bieten konnte, den ich wollte. Ausserdem stimmten für mich und mein Team Lohn und Arbeit im Verhältnis nicht mehr überein. Ich wollte eigentlich weg von der Branche, bekam aber von Silversea Cruises ein sehr interessantes Jobangebot als Concierge/Guest Relation Manager. Ich hatte immer noch Lust zu reisen und es reizte mich, auf einem luxuriösen aber kleineren Schiff zu arbeiten, auf dem man den Gästen auch wirklich etwas bieten kann. Später wurde mir eine neu geschaffene Stelle im Personalwesen angeboten. Ich habe sie angenommen, bin mit der Stelle gross geworden und habe darin so etwas wie meine Berufung gefunden.

Welche Arbeiten beinhaltet Ihr heutiger Job als «Senior Human Resources Manager» auf den Kreuzfahrtschiffen der Silversea Cruises?
Claudia Pfister: In erster Linie bin ich für die Betreuung der verschiedenen HR-Manager an Bord zuständig und bin daher auf allen sechs Schiffen von Silversea Cruises unterwegs. Zudem bin ich für das Personal an Bord verantwortlich und habe administrative, organisatorische und betreuende Aufgaben.

Konkret?
Claudia Pfister: Als HR-Manager koordiniere ich das Einchecken unseres Personals an Bord und stelle sicher, dass jedes Mannschaftsmitglied alle notwendigen Informationen erhält. Ich führe die neuen Mitarbeiter in ihr neues Departement ein und schaue, dass sie gut aufgehoben sind. Ein grosser Teil meiner Arbeit ist die Crewbetreuung, Ferienplanung, die Nachfolge- und Rotationsplanung, speziell auch für die Manager und Abteilungsleiter. Zudem gehören das Disziplinarwesen, Beurteilungs- und Evaluationsprozesse, Coaching  sowie die Talentsuche zu meinen Aufgaben. Das Coaching kommt zum Zug, wenn die Abteilungsleiter nicht mehr weiter wissen oder Probleme mit den Mannschaftsmitgliedern haben. Ein ganz wichtiger Bereich, für den ich zuständig bin, ist das Training unserer Mitarbeiter an Bord.

Was reizt Sie an Ihrem Job?
Claudia Pfister: Routine langweilt mich schnell, deshalb brauche ich einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Auf dem Schiff lerne ich ständig viel Neues dazu, mag es, Leute aus der ganzen Welt kennen zu lernen, und kann selbständig arbeiten. Eine Stelle, die besser zu mir passt, hätte ich an Land nicht gefunden. Zudem finde ich es toll, nicht nur fünf oder sechs Wochen Ferien im Jahr zu haben, sondern eben vier Monate. Ich muss allerdings dazu sagen, dass diese drei bis vier Monate nur knapp all die Wochenenden und Feiertage kompensieren, die wir an Bord durcharbeiten.

Wie erlebten Sie Ihre allerersten Wochen auf einem Kreuzfahrtschiff?
Claudia Pfister: Der erste Monat war der pure Horror. Das Schiff war zwar wunderschön, aber ich hatte Mühe mit der Enge sowie den Kollegen an Bord. Ausserdem hatte ich Probleme mit der Hier­archie, die an Bord eines Schiffes herrscht, bis ich begriff, dass es ein gewisses Mass an Ordnung und Strenge braucht, damit so viele Menschen aus verschiedenen Ländern auf so kleinem Raum gut zusammen leben und arbeiten können.
 
Welche Schlüsselqualifikationen muss jemand mitbringen, der bei Silversea Cruises auf einem Schiff arbeiten möchte?
Claudia Pfister: Ein Bewerber darf keine Angst vor viel Arbeit haben. Oftmals arbeitet man nämlich ohne freie Tage durch und dies einiges länger als acht Stunden täglich. Es ist eine Voraussetzung, offen zu sein für Neues und für andere Kulturen. Auch auf einem kleinen Schiff mit nur 290 bis 380 Mitarbeitenden finden sich 35 bis 40 verschiedene Nationalitäten, die alle zusammen auskommen und zusammen arbeiten müssen. Bewerber, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausführen und eine Passion für exzellenten Service und die Hospitality-Branche haben, sind sehr gesucht.

Worauf müssen sich neue Crew-Mitglieder gefasst machen?
Claudia Pfister: Wir Europäer, die wir sehr individualistisch sind und sehr jung unsere erste eigene Wohnung haben, müssen darauf gefasst sein, auf sehr engem Raum mit vielen anderen Menschen zusammenzuleben. Es ist wie in einem kleinen Dorf, das muss man aushalten können.

Vollständiger Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.

Ausgabe 8/2010

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