Die Kraft liegt im Kontrast

Was unterscheidet das Gewöhnliche vom Aussergewöhnlichen? Was braucht ein Hotel oder ein Restaurant, um den Gast zu faszinieren und in andere Welten zu entführen? Salz&Pfeffer hat in der Schweiz solche Orte gesucht – und gefunden.

Text: Tobias Hüberli, Sarah Kohler und Ariana Pradal

Der Gast von heute will mehr. Ein Bett für die Nacht und eine Mahlzeit, die den Körper stärkt, reichen da längst nicht mehr aus. Gefragt ist ein Erlebnis, eine kleine Flucht aus dem Alltag, ein Abenteuer. Der Gast von heute will staunen, mit grossen Augen und stockendem Atem entdecken und sich dabei gleichwohl geborgen fühlen. Er sucht das Vertraute ebenso wie die Überraschung, wünscht sich einen Ort, der lang gehegte Träume aufleben lässt und mit einem Hauch süsser Sehnsucht in der Erinnerung haften bleibt. Für den Gastgeber ist das eine knifflige Aufgabe; der Markt spielt, die Zahl findiger Mitbewerber ist gross. Will er sich von der Masse abheben, braucht er neben einem klugen Konzept, Kalkül und einer klaren Vision auch Mut. Mut zum Ungewöhnlichen. Mut zum Original. Mut zur Einzigartigkeit. Wir haben Orte gesucht, die von Ebensolchem geprägt sind, haben so manchen gefunden – und festgestellt: Im Kontrast liegt die Kraft; in der Verbindung von Elementen, die gemeinhin nicht zusammen erwartet werden, in raffinierten Synthesen mit feinen Details, und ja, mitunter im frechen Stilbruch.

Luxus in luftiger Höhe
Kess ist das Konzept des traditionsreichen Hotels Le Vieux Manoir. Am Ufer des Murtensees, wo die Sonnenuntergänge einen am Meer wähnen, wird seit über hundert Jahren das unbeschwerte Landleben zelebriert. Im Herrenhaus oder im Park; mit Picknicks auf der Wiese, langen Spaziergängen, süssem Nichtstun auf dem Bootssteg oder romantischen Diners in der einstigen Volière. Mitten in dieser Szenerie früherer Zeiten kokettiert ein Bau mit Zukunftsvisionen: ein gläsernes Baumhaus auf Stelzen, viereinhalb Meter über dem Boden, versteckt im Blätterwerk.

Der so genannte Glasdiamant ist die Luxusedition eines Kindheitstraums. Auf 27 Quadratmetern vereint die Suite Abenteuer und Komfort. Der Gast schläft im Geäst und geniesst den 360-Grad-Panoramablick. Zu seinen Füssen spült der See das Wasser in sanften Wogen durchs Schilf an den Strand. Ein Knopfdruck öffnet die raumhohen Fenster und lässt die Welt herein ins Zimmer. Derweil sorgen die Baumkrone und die goldene Verspiegelung des schräg eingebauten Glases für Privatsphäre. «Der Gast verschwindet in den Bäumen, hat dort seine Ruhe», sagt Direktor Daniel J. Ziegler. «Gleichzeitig kann er vom Service und vom Angebot des Hotels profitieren.»

Die Entscheidung, mit kontrastierenden Elementen zu arbeiten, trafen Judith und Martin Müller-Opprecht, die das Anwesen vor sieben Jahren kauften. General Mallet hatte 1907 die Sommerresidenz im verträumten Park erbauen lassen – als Liebesbeweis an seine Frau. Leidenschaft zeigen auch die heutigen Eigentümer. Sie wollen hier «aus etwas Speziellem etwas Spezielles machen» und realisierten mit Hilfe des Zürcher Architekturbüros Grego letzten Sommer für rund 2,5 Millionen Franken das «Seeprojekt». Es umfasst neben dem Glasdiamanten ein privates Seehaus im Fünfzigerjahrestil – mit Sauna, Grillplatz sowie eigenem Bootssteg –, ein Floss im Schilf und ein golden schimmerndes Badehäuschen.

Eine treibende Kraft hinter dem Wandel ist auch Daniel J. Ziegler. Der mehrfach ausgezeichnete Hotelier hält hier seit Mai 2009 das Zepter in der Hand und führte bereits das Hotel Eden Roc in Ascona zum Erfolg. Nun schmiedet er Pläne für das Le Vieux Manoir, will das Haus in der Region und die Region im Tourismus verankern. Im Res­taurant Juma sowie in der La Pinte de Meyriez setzt Küchenchef Franz W. Faeh auf Produkte aus der Umgebung, zaubert eine leichte Landhausküche mit Fisch aus dem Murtensee und Weinen aus den umliegenden Kantonen.

Die Besinnung auf den Ursprung prägt den Fünfsterne-Betrieb, der seit 1959 Mitglied von Relais & Châteaux ist. Nichts lenkt von der Magie des Ortes ab. Reduziert wirkt auch der Glasdiamant, für den Glas, Holz und Messing verwendet wurden. Die Innenausstattung ist schlicht und vom Feinsten; ein mit Seide ausstaffierter Lederschrank, ein smaragdgrüner Bisazzaboden, ein Beamer mit in der Decke integrierter Leinwand. «Im Zentrum stehen die Nähe zur und der Respekt für die Natur», sagt Ziegler. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, als er sich an seine erste Nacht im Baumhaus erinnert; ans Öffnen der Fens­ter, den Luftzug, der übers Bett streicht, an die morgendliche Dusche mit Seeblick und das Frühstück auf der Terrasse, untermalt vom Plätschern des Wassers, dem Schnattern der Enten und dem Zwitschern der Vögel. «Das ist ein Erlebnis, das wirklich tief geht.»

Kleinod im Engadin
Die Rhätische Bahn hält nur auf Verlangen. Lavin, gut versteckt hinter dem Ve­reinatunnel, ist ein entsprechend kleines Dörfchen. Zweihundert Einwohner, ein paar prächtige Steinhäuser und eine verlassene Schule, neben der die Dorfjugend im Winter auf einem altertümlichen Eisfeld Eishockey spielt. Direkt am winzigen Dorfplatz steht das von aussen relativ unspektakuläre Hotel Piz Linard.

Vollständiger Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.

Ausgabe 1/2011

Medienstimmen

Salz & Pfeffer zitiert

Anschauen

Mediadaten

Inserieren im Salz&Pfeffer

Inserieren, damit Ihre Werbebotschaft ankommt - 110'000 Leser pro Ausgabe (MACH 2011-1)

Print Online