Giovanni Meola – Pionier mit Passion

Text: Ingo Rogalla

Der Schweizer Kaffeemarkt ist gross. Über tausend Tassen werden jährlich von jedem Schweizer getrunken, rund 25 Prozent davon in der Gastronomie. Die Anzahl der «Kaffee- Aficionados» im Schweizer Kaffeemarkt aber, die – jeder auf seine Art – der Förderung von Qualitäts- und Gourmetkaffees seit Jahren einen Schub nach oben geben, ist im Verhältnis dazu gar nicht so riesig. Sondern eher überschaubar. In den nächsten Kolumnen möchte ich deshalb einmal nicht über die Qualität von Kaffee schreiben oder darüber, wie man diese erreicht, sondern von genau solchen Menschen berichten, die aus Überzeugung und Leidenschaft dafür sorgen, dass es in der Schweizer Gastronomie weiter aufwärts geht mit Gourmetespresso & Co. Die erste Person, die mir dazu einfiel: Giovanni Meola.

Ich selber kenne den Schweizer Kaffeemarkt und die Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, seit Januar 2000. Denn zu diesem Zeitpunkt ging es für mich von Köln und den Coffeeshops, die ich dort entwickelt und geleitet hatte, in die Schweiz zu einem grossen Kaffeemaschinenhersteller, um dort ein Schulungszentrum für Kaffee aufzubauen und zu leiten. Einige Monate später wurde die 1. Schweizer Meisterschaft bei Blaser Café in Bern durchgeführt, und ich wurde gefragt, ob ich teilnehmen würde. Genau hier traf ich eine der bis heute bemerkenswertesten Personen in der Schweizer Baristaszene, nämlich den (wie sich dann am Abend herausstellen sollte) ersten Schweizer Baristameister Giovanni Meola. Ich wurde nur Dritter.

Seit dieser Zeit kreuzen sich unsere Wege immer wieder, und so konnte ich sein Wirken fast immer mitverfolgen. Der 1975 in Solothurn geborene Sohn süditalienischer Eltern machte zunächst eine Ausbildung als Automonteur. In diesem Beruf hat er seither aber nie gearbeitet. Seine erste Anstellung als Barista bekam er 1997 im Caffè Roma in Bern.
Giovanni Meola nahm jahrelang an (fast) allen Schweizer Meisterschaften teil und hat die wahrscheinlich grösste Medaillen-Sammlung in der Schweiz, wenn nicht sogar weltweit. Er ist Schweizer Meister der Jahre 2000, 2001 sowie 2006. Den Vizemeistertitel holte er 2007 und 2009 sowie die Bronzemedaille in 2003, 2005 und 2008. Seine drei Goldmedaillen brachten ihn an die Weltmeis­terschaften in Monte Carlo, Miami und Bern. Lediglich 2002 setzte er einmal aus. Letztmals nahm er an der Meisterschaft 2010 teil. Durch meine Aktivitäten als Jurymitglied sowie Organisator der Meisterschaften ab 2001 lernte ich Giovanni Meola als absolut bodenständigen, hilfsbereiten und sehr sympathischen Barista kennen. Wenn ein Neuling auf den Meisterschaften etwas vergessen hatte; er lieh es ihm aus. Wenn nach der grossen Medaillenverleihung beim Abbau des Events noch Maschinen und Möbel geschleppt werden mussten (die Organisation war damals noch nicht so professionell wie heute), trug Giovanni Meola – mit umgehängter Goldmedaille – bis zum Schluss noch etwas in den Händen.

Na gut, so viel zur Meisterschaft. Aber auch im wirklichen, harten Gastroalltag hatte Giovanni Meola viele interessante Aufgaben, und mehr als eine Handvoll Betriebe verdanken ihm gesteigerte Kaffeeumsätze durch Sorgfalt bei der Espressozubereitung und natürlich die berühmte Latte Art. Viele Betriebe fingen, angesteckt von seiner Leidenschaft für Kaffee, erst damit an. Beispiele gefällig? Da wären etwa das Caffè Roma in Bern (das erste Café in der Schweiz, das Cappuccini mit Latte Art servierte), das Hotel Berchtold in Burgdorf, die Aarebar in Solothurn (Gewinner Swiss Gastro Award), das Restaurant Pangäa Bern oder das Gran Caffè Motta Zürich. Zurzeit arbeitet Giovanni Meola im Restaurant Markthalle in Zürich. Alle diese Betriebe servieren seither mit Erfolg Latte Art. 2008 trainierte er die Mitarbeiter eines neuen Coffeeshops in Istanbul und begleitete dessen Eröffnung. Als Freelancer war er zudem jahrelang für verschiedene Röstereien und Maschinenhersteller sowie einen grossen Kapselhersteller auf Messen unterwegs. Dort musste er auch seine Flexibilität im Umgang mit Haushaltsmaschinen beweisen.

Giovanni, wie kamst du zu deiner Arbeit als Barista?
Giovanni Meola: In meinem Lehrberuf wollte ich nicht mehr arbeiten und so bewarb ich mich im Caffè Roma in Bern als Barmitarbeiter. Die Gastronomie interessierte mich sehr. Zwei Monate später wechselte der Geschäftsführer, und der neue, Valentino Sergi, wurde mein erster Lehrer in der Espressozubereitung. Von ihm lernte ich vor allem, wie man eine Mühle reguliert sowie die Kunst des Milchschäumens und der Latte Art. Meine Begeisterung für Kaffee wurde von ihm geweckt und lässt mich bis heute nicht mehr los.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.

Ausgabe 2/2011

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