Ständig nur Nein gesagt
Das Verhältnis zwischen Hotelleriesuisse und Gastrosuisse ist spätestens seit dem Urteil des Bundesgerichts in Sachen Sterneklassifikation getrübt. Salz&Pfeffer hat die Verbandsdirektoren Christoph Juen und Bernhard Kuster zum Gespräch eingeladen.
Christoph Juen, was wäre Ihre erste Amtshandlung, wenn Sie Geschäftsführer der Gastrosuisse wären?
Christoph Juen: Ich bin das nicht, und es steht mir nicht an, dreinzureden. Wenn ich müsste, würde ich zuerst mit dem Verbandspräsidium reden und fragen, wofür der Verband da ist und wofür die anderen Verbände da sind.
Bernhard Kuster, und Sie, als Direktor von Hotelleriesuisse?
Bernhard Kuster: Mir wäre es ein wichtiges Anliegen, die momentane Situation zwischen Hotelleriesuisse und Gastrosuisse, diese, ich nenne es einmal atmosphärischen Differenzen, aufzuarbeiten und zu versuchen, für die Zukunft eine Lösung zu finden. Diese Differenzen behindern zurzeit die Zusammenarbeit, aber eigentlich sind sich beide Verbände in vielen Kerngebieten einig, die Gemeinsamkeiten überwiegen. Es gibt auch immer noch viele Beispiele, etwa beim Nachwuchsmarketing, in denen man gut zusammenarbeitet. Natürlich gibt es ein grosses Thema, nämlich die Hotelklassifikation, in dem wir uns nicht einig sind und das uns beschäftigt.
Juen: Ich glaube, es gibt die Zeit vor dem Bundesgerichtsurteil und die Zeit danach. Vorher war ich auch der Meinung, die Gemeinsamkeiten überwiegen. Hotelleriesuisse hat das Gespräch bewusst gesucht und Gastrosuisse bezüglich der Sterne-Klassifikation mehrmals eine Zusammenarbeit angeboten. Jetzt haben wir ein Bundesgerichtsurteil und eine Konkurrenzsituation zwischen den beiden Verbänden. Hotelleriesuisse richtet ihre Strategie und Politik auf die Kunden der Hotellerie aus. Wir attestieren Gastrosuisse sämtliche Kompetenzen in der Restauration. Wenn aber Gastrosuisse bewusst in Felder drängt, die vom Ursprung und bis heute zur Hotellerie gehören, dann muss ich annehmen, dass Gastrosuisse uns die Hotelkompetenz abspricht. Darum überwiegen heute die Differenzen gegenüber den Gemeinsamkeiten.
Kuster: Gastrosuisse hat der Hotelleriesuisse in der Sternenfrage auch angeboten, unter der Schirmherrschaft des Schweizer Tourismus-Verbands zusammenzuarbeiten. Gastrosuisse ist der Verband für Hotellerie und Restauration, und zwar schon immer. Die Hotelleriesuisse hat die kleinen Hotels unter 35 Zimmern seit langem vernachlässigt, in diesem Segment sind weniger als die Hälfte der Hotels überhaupt klassifiziert, das hat die Hotelleriesuisse versäumt.
Juen: Das Gegenteil ist der Fall – wir haben viel investiert. Die Klassifikationsnormen, welche Hotelleriesuisse entwickelt hat, sind von Österreich und Deutschland grösstenteils übernommen worden und werden dort für alle Sterne-Kategorien angewendet. 2004 haben wir die Sterne für Nichtmitglieder geöffnet und 2006 in einem zweiten Schritt die sogenannte Gewaltentrennung in Form von unabhängigen Auditoren und einer unabhängigen Rekursinstanz eingeleitet. Der Kern der Schweizer Normen wurde während der europäischen Harmonisierung der Hotelklassifikation übernommen. Und diese Normen sind sehr wohl auch auf kleine und mittelgrosse Hotels applizierbar. In Österreich, wo es viele kleine Hotels gibt, funktioniert das wunderbar. Vor zwei Jahren haben wir, nach 2004 und 2005, Gastrosuisse erneut eine Zusammenarbeit angeboten. Wir hatten nur ein Ziel, nämlich, dass alle Hotels in der Schweiz mit den gleichen Normen klassifizert werden. Gastrosuisse lehnte aber ab.
Kuster: Stimmt, wir haben miteinander diskutiert. Gastrosuisse hat wie auch die Hotelleriesuisse ein Angebot gemacht.
Juen: Das stimmt nicht, Gastrosuisse hat nie ein Angebot unterbreitet, sondern ständig nur Nein gesagt.
Kuster: Gastrosuisse hätte bei der Hotelleriesuisse mitmachen können, aber gemäss den Entscheidungsstrukturen wären wir nicht über die Rolle des Schulerbuben hinausgekommen. Das war inakzeptabel. Ihr beruft euch immer nur auf ein Angebot der Zusammenarbeit, das schlicht und einfach sehr schlecht war.
Juen: Wenn wir sagen, nehmt die gleichen Normen und braucht sie nach eurem Gusto, dann ist das doch die beste Partnerschaft, die man sich vorstellen kann. Vergleichbar mit ISO-Normen, die jedem zur Verfügung stehen. Das war unser Angebot. Von Junior-Partner kann keine Rede sein. Vor Jahren behauptete Gastrosuisse, die Hotelleriesuisse-Normen seien für kleine Hotels nicht anwendbar, und entwickelte eigene Kriterien. Heute hat Gastrosuisse aber die praktisch gleichen Normen imitiert. Und wir sind jetzt Konkurrenten auf dem Markt.
Beeinflusst diese verschärfte Konkurrenz die Zusammenarbeit bei gemeinsamen Anliegen, beispielsweise der Tourismusförderung?
Kuster: Auf der Ebene der Mitarbeiter funktioniert die Zusammenarbeit nach wie vor. Aber Sie sehen selbst, die Diskussion zwischen uns beiden wird sehr schnell hitzig, auch wenn ich am Anfang des Gesprächs einen Konsens gesucht habe.
Juen: Es hängt davon ab, auf welcher Ebene die Zusammenarbeit stattfindet. Auf lokaler Ebene und kantonaler Ebene arbeitet man teilweise hervorragend zusammen. Das ist mir auch sehr wichtig, weil die Hoteliers und deren Gäste stark davon profitieren. Was den nationalen und internationalen Markt betrifft, haben wir Divergenzen, die nicht wegzureden sind.
Welches sind die wichtigsten Punkte in der politischen Agenda der Gastrosuisse?
Kuster: Das Präventionsgesetz sowie das Lebensmittelgesetz und die Beseitigung der Mehrwertsteuer-Diskriminierung sind für uns ganz heisse Themen. Wenn wir da nicht eingreifen, wird unsere Branche vor grosse Probleme gestellt. In der Beherbergung ist uns die Finanzierung von Schweiz Tourismus sehr wichtig. Die Logiernächte sind rückgängig. Wir haben dieses Jahr 18 Prozent weniger Gäste aus Deutschland, das ist eine Katastrophe, dieses Gästesegment machte letztes Jahr rund 16 Prozent aller Logiernächte aus. Schweiz Tourismus muss im Ausland wie auch im Inland mehr Präsenz zeigen.
Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.



