Brückenbauer
Sie suchen eine Lehre – und sammeln zeitgleich erste Erfahrungen in der Arbeitswelt. Im Berufsintegrationsprogramm Access kommen Jugendliche unter anderem in der Gastronomie zum Einsatz. Davon profitieren nicht nur sie selbst.
Wo Champions auf Talente treffen – mit diesem Slogan wirbt das Zurich Open, die grosse Tennisveranstaltung in der Limmatstadt. Für Ronny Hürlimann und seine Schützlinge dürfte der Event dieses Versprechen eingelöst haben. Mit dem kleinen gelben Ball und den Cracks auf dem Spielfeld hat das allerdings höchstens am Rande zu tun.
Ronny Hürlimann arbeitet bei Access, einem Verein, der ein Berufsintegrationsprogramm für Jugendliche ohne Lehrstelle anbietet. Als sich im März die Tennisstars in der Zürcher Saalsporthalle ein Stelldichein gaben, war er mit seiner Truppe vor Ort. Die jungen Leute arbeiteten gemeinsam mit den Mitarbeitern des zuständigen Caterings im Service – und durften sogar die Gäste im VIP-Bereich bedienen. In diesem Punkt unterscheidet sich das Konzept von Access nämlich grundlegend von anderen Programmen: Die Jugendlichen werden nicht nur theoretisch und schulisch gefördert, sondern machen zeitgleich erste Schritte in der Arbeitswelt. Dafür unterhält der Verein eigene Kleinunternehmen, von denen jenes unter der Leitung von Ronny Hürlimann im Bereich Event/Gastronomie angesiedelt ist. «Die Jugendlichen waren nach ihrem Einsatz am Zurich Open derart stolz, dass wir fast schon froh sein mussten, wenn sie noch mit uns redeten», erinnert sich Access-Geschäftsführerin Sylvia Meyer lachend. Als Mitgründerin des Programms liegen ihr die Teenager sichtlich am Herzen. «Ihr Frust im Vorfeld ist gross», weiss sie. «Sie alle haben fünfzig oder mehr Bewerbungen geschrieben und nur Absagen erhalten.» Ihr ist darum vor allem eins wichtig: «Bei uns haben die Schulabgänger gleich am Anfang ein Erfolgserlebnis. Und darauf kann man aufbauen.»
Ins kalte Wasser geworfen
In der Obhut von Ronny Hürlimann und seinem Mitarbeiter Matthias Bloch sind dieses Jahr 18 Jugendliche; sie wurden nach einem zweitägigen Assessment ins Gastroteam eingeteilt, wobei Aufgeschlossenheit, ein guter Umgang mit den Mitmenschen sowie eine gewisse Geschicklichkeit die Hauptkriterien waren. Für ein möglichst umgehendes Erfolgserlebnis werfen die beiden Leiter die Praktikanten gleich zu Beginn des Programmjahres zwar nicht ins eiskalte, aber doch ins ordentlich kühle Wasser: Eine einzige Woche bleibt den Serviceneulingen Zeit, die absoluten Basics zu lernen. «Es sind intensive Tage: Wir zeigen ihnen das Grundhandwerk und thematisieren den Umgang mit Gästen. Die Jugendlichen sollen einen ersten Eindruck von der Branche erhalten», sagt Hürlimann. Dafür fahren die Leiter mit ihrer Gruppe auch mal ins Hallenstadion raus, einen Stapel Teller im Gepäck. Dann wird geübt, wird Geschirr möglichst elegant treppauf und treppab getragen. Flugs folgt der erste Einsatz im richtigen Leben. Am Erntedankfest der Zürcher Kirchgemeinde St. Peter müssen sich die frischgebackenen Servicekräfte beweisen. «Für einen gelernten Gastronomen mag das eine simple Angelegenheit sein, da sind rund hundert Gäste, es gibt Suppe und Dessert – aber für die Jugendlichen ist alles neu und sie müssen sofort auf die Leute zugehen», erzählt der Bereichsleiter. «Vor dieser Aufgabe haben sie grossen Respekt, zugleich aber sind sie unbefangen – das ist schön zu beobachten. Die jungen Leute sind geradezu übermotiviert.»
Spannend – und lehrreich
Es scheint also Spass zu machen. Diesen Eindruck gewinnt man auch, wenn man sich mit den Teenagern selbst unterhält, die nebenbei auf dem Gelände von Access ein eigenes Bistro für die Kollegen sowie die Leiterinnen und Leiter betreiben. Sie erledigen – unter der Leitung des stellvertretenden Bereichsleiters Matthias Bloch – alles selbstständig, gehen einkaufen, kalkulieren die Menus, kochen, servieren. Waschen ab. «Ich bin froh, im Eventteam zu sein», sagt David Abplanalp. «Wir haben immer etwas zu tun, gehen viel raus. Das ist toll.» Der 17-Jährige mit einem Sek-A-Abschluss in der Tasche hatte erfolglos eine Lehrstelle im Detailhandel gesucht und landete bei Access. «Ich koche – und esse – gern», flachst er. «Und ich mag den Kontakt zu den Menschen.» Der junge Bursche hat in der Zwischenzeit eine Lehrstelle gefunden. Als Sanitär.
Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.
Ausgabe 4/2011



