Eine Utopie?

Die helvetische Energieversorgung ist im Umbruch. Der Bundesrat fordert, den letzten Atommeiler 2034 vom Netz zu nehmen. Von Experten der ETH wollte Salz&Pfeffer wissen, welche alternativen Energiekonzepte für die Schweizer Hotellerie realistisch sind und welche Herausforderungen auf uns zukommen.

Text: Tobias Hüberli/Fotos: Christian Schwarz

Holger Wallbaum, ist das Null-Energie-Hotel, ein Hotel, das so viel Energie erzeugt, wie es selbst verbraucht, eine Utopie?
Holger Wallbaum: Es ist mit Sicherheit keine Utopie, aber eine Abwägung zwischen ökologischen und ökonomischen Interessen. Grundsätzlich ist jedes Ziel erreichbar. Bei einem Hotel müsste man schauen, wo sich die Kurve der Wirtschaftlichkeit mit der Kurve der ökologischen Optimierung trifft. Danach lassen sich sinnvolle Massnahmen definieren. Man kann sich aber auch einfach das Ziel setzen, ein Null-Energie-Hotel zu bauen, das wäre durchaus machbar.

Aber teuer und total unwirtschaftlich?
Wallbaum: Es kommt darauf an. Aus der Industrie kennen wir Beispiele von Betrieben, die Ökologie und Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie verankert haben, weil sie sich als verantwortungsvolle Akteure innerhalb der Gesellschaft positionieren wollen. In solchen Fällen spielt Geld nicht so eine Rolle, weil die Strategie auch Teil des Marketings ist. Wenn die Bestrebungen des Unternehmens echt sind, dann geht es nicht nur um die Investitionskosten und um die eingesparte Energie.

Sondern?
Wallbaum: Wenn das ökologische Denken in einem Unternehmen von dem Verwaltungsrat über die Chefetage bis hin zu den Mitarbeitern verinnerlicht wird, dann spürt das auch der Kunde, oder im Falle eines Hotels der Gast. Die Glaubwürdigkeit und somit auch der Wert der Marke steigen. Es können sich völlig neue Kundensegmente eröffnen. Aus der Industrie wissen wir auch, dass es Unternehmen mit derartigen Strategien einfacher fällt, Absolventen von Hochschulen anzuwerben, weil sie sich ökologisch klar positioniert haben und sich die Mitarbeiter in so einem Betrieb woh­ler fühlen. Die Mitarbeiterfluktuation ist niedriger und das Betriebsklima angenehmer. Den Investitionskosten müsste man darum nicht nur die gesparte Energie, sondern beispielsweise auch die Wertsteigerung der Marke oder die mit weniger Fluktuation entstehenden Einsparungen im Personalwesen gegenüberstellen. Aber diese Faktoren sind sehr schwierig zu quantifizieren.

Was würden Sie einem Hotelier raten, der seinen Betrieb renovieren und energieeffizient gestalten will?
York Ostermeyer: Es braucht eine Status-quo-Analyse und der Hotelier muss wissen, welches Gewicht die Themen Ökologie, Energie und Nachhaltigkeit in seinem Konzept haben sollen. Dann muss man herausfinden, welchen Energiebedarf der Betrieb hat und welche alternativen Energiequellen vor Ort überhaupt vorhanden sind. Gibt es etwa ein Potential für eine Geothermie-Anlage, hat es exponierte Dachflächen, die nicht denkmalgeschützt sind und wo man mit einer Solarthermie-Technik warmes Wasser erzeugen könnte. Bei Renovationen, die sowieso durchgeführt werden müssen, kann zusätzliches Dämmmaterial eingebaut werden. Möglich ist vieles, es braucht aber eine Gesamtsystemoptimierung, einzelne Massnahmen als Pauschalrezept machen keinen Sinn. Es braucht zwingend einen kompetenten Planer.

Bei einem durchschnittlichen Hotel machen die Energiekosten zirka zwei Prozent der Gesamtkosten aus. Lohnt es sich überhaupt, Energie zu sparen?
Ostermeyer: Wenn ein Hotel- oder Res­taurantbetrieb richtig brummt, steigt der Umsatz um einiges schneller als die Energiekosten. Je besser ein Laden läuft, desto weniger Interesse hat ein Hotelier, sich um seine Energiekosten zu kümmern. Und wenn der Umsatz fehlt, wird er primär in das Marketing investieren und nicht in die Energieeffizienz. Wenn man aber die Energiekosten absolut und nicht in Relation zu den Gesamtkosten betrachtet und mit Massnahmen über das Jahr 20 000 Franken spart, dann lohnt sich das schon.

Welche Sparmassnahmen bieten sich in einem klassischen Hotelbetrieb?
Wallbaum: Es kommt immer darauf an, wie viel Investitionsvolumen ein Hotelier bereitstellt. Gewisse Massnahmen rechnen sich relativ schnell. Zum Beispiel die Optimierung der Lüftung oder wenn Synergien genutzt werden können. Viele Hotels haben gleichzeitig einen starken Kühlungs- und Heizungsbedarf. Es gibt sehr effiziente Wärme-Kälte-Verbundsysteme, mit denen einerseits der Wellness-Bereich geheizt und die Hotelzimmer gekühlt werden können. Was man nicht machen kann, ist die Abwärme aus der Küche zu nutzen, da müsste man täglich irgendwelche Filter wechseln. Es gibt mittlerweile auch Fotovoltaik-Zellen, die als Schindel auf das Dach gebaut werden können. Die sind zwar teurer und ineffizienter, dafür werden sie vom Denkmalschutz akzeptiert und man spart die Kosten für die Schindeln.

Hand aufs Herz. Rechnen sich solche Investitionen rein wirtschaftlich?
Wallbaum: Kurzfristig betrachtet eher nicht. Aber wenn Sie fünf Prozent auf Ihr investiertes Kapital wollen, lohnen sich auch ganz andere Sachen nicht. Wenn man aber zum Beispiel ein Gebäude unabhängig von fossilen Energieträgern macht und den steigenden Ölpreis langfristig mitkalkuliert, sieht die Rechnung bereits anders aus. Es ist auch so, dass Gebäude mit Minergie-Standard teurer verkauft werden können. Für Stockwerkeigentum sind es 3½ Prozent, für ein Einfamilienhaus bereits 7 Prozent.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.

Ausgabe 4/2011

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