Hotel Villa Honegg, Ennetbürgen
Fast vierzig Jahre ruhte das Bijou im Dornröschenschlaf. Nun sind die Tore des altehrwürdigen Hotels Villa Honegg, das oberhalb von Ennetbürgen auf 914 Metern liegt, wieder offen. Möglich machte das ein privater Investor aus Katar: Er kaufte das Haus, das seit den Siebzigerjahren leer stand, und liess es für 32 Millionen Franken komplett umbauen. Geblieben ist einzig die historische Fassade aus dem Jahr 1905.
Dahinter verbirgt sich ein moderner Luxusbetrieb, der mit viel Liebe zum Detail, mit exklusiven Materialien, aber ohne Pomp wohnlich gemacht wurde. Elegant. Und schnörkellos. Der grosse Leuchter im Restaurant ist ebenso ein Blickfang wie die feinen Kleinheiten in den Zimmern. Das Schindelmotiv der Fassade findet sich – in Leder – auch im Schlafgemach wieder, wo warme Braun- und Grüntöne vorherrschen. Teppiche aus verschiedenen Tierfellen sorgen für Gemütlichkeit. Das Fünfsternehaus verfügt über 23 Zimmer und Suiten, zwei Konferenzräume sowie eine Dependance im Nebengebäude. Wünsche bleiben kaum welche offen: Die Villa Honegg, die für rund 25000 Franken pro Tag auch als Ganzes gemietet werden kann, bietet einen Spa-Bereich mit Aussenbecken und atemberaubender Aussicht, und ein privates Kino ist hier ebenfalls untergebracht. Auf hochwertige Qualität setzt man auch im Restaurant mit 46 Sitzplätzen, das auch externen Gästen offen steht; neben lokalen Gerichten stehen Speisen aus der libanesischen Küche auf der Karte.
«kuk haus für kultur», Schwellbrunn
In unmittelbarer Nachbarschaft des denkmalgeschützten Ortskerns von Schwellbrunn im Kanton Appenzell Ausserrhoden steht es: das «kuk haus für kultur», unter dessen Dach sich alles um Kultur, Kunst, Kommunikation und Kulinarik dreht. Einst drückten hier während fast 160 Jahren die Kinder aus dem Dorf die Schulbank. Doch die Geschichte beginnt noch früher: Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude als Fabrikantenhaus erstellt, ein getäferter Strickbau mit Walmdach. Später wurde daraus das Wirtshaus Linde, dann zogen eben die Schüler im Rank ein. Und 2009 verwandelten Elisabeth und Markus Beeli den altehrwürdigen Bau in einen Raum für Kunst und Kultur. Die Klassenzimmer gibt es heute noch; sie können für Seminare und Workshops gemietet werden. Auch das Säli im ersten Stock – die ehemalige Dorfbibliothek – bietet dafür Platz.
Seit Juni letzten Jahres unterhalten die beiden findigen Köpfe mit ihrem Team auch einen kleinen Gastrobetrieb im Erdgeschoss, liebevoll «kuk» genannt. Der Boden knarrt und das Mobiliar entführt in längst vergangene Zeiten. Durchs Fenster sieht der Gast Natur pur; scheint die Sonne, lockt der Garten. In dieser charmanten, beileibe nicht ganz alltäglichen Umgebung sorgt Emil Mock fürs leibliche Wohl. Mock, der als Mitglied des Swiss Armed Forces Culinary Teams am letzten Culinary World Cup in Luxemburg den Vize-Weltmeistertitel mit nach Hause tragen durfte, zaubert eine natürliche, frische Küche. Nach den Sommerferien, im August, wird seinen Posten übrigens Christian Fässler übernehmen (siehe auch Seite 20). Den passenden Tropfen zu den Speisen gibt es aus dem hauseigenen antiken Weinkeller, der sich hinter den aufwändig sanierten Gemäuern von 1780 auftut und für Apéros, Degustationen und dergleichen auch separat gemietet werden kann.
Hotel Dom, St. Gallen
Ein Mix aus Wärme und praktischer Nüchternheit: So lässt sich beschreiben, was den Gast erwartet, wenn er das Hotel Dom in St. Gallen betritt. Der Dreisternebetrieb in der Altstadt wurde kürzlich renoviert und restauriert, eben erst erhielt er das Label «Design- und Lifestylehotel». Für die Umgestaltung des bald fünfzigjährigen Baus zeichnet Architekt Markus Alder verantwortlich, der im «Dom» die avantgardistische und lange Zeit umstrittene Architektur der Sechzigerjahre neu interpretierte: die farbliche Gestaltung – viel Weiss, je nach Etage mutig kombiniert mit einem satten Lila, einem kräftigen Rotton oder einem frechen Hellgrün – sowie das Zusammenspiel von geschwungenen Formen und klaren, schlichten Linien beleben den Geist dieser Epoche neu. Eine Überraschung inmitten der historischen Bauten der St. Galler Innenstadt.
Dazu passt das Kunstkonzept des Hauses, das die Kuratorin des St. Galler Museums im Lagerhaus entwickelte. In den Zimmern und den Korridoren des Hotels sind Werke bekannter Künstler der Outsider Art oder Art Brut zu sehen. Und das ist kein Zufall. Denn das Hotel Dom, das über 31 Zimmer, Seminarräume sowie ein Restaurant verfügt, ist mehr als ein gut ausgelasteter Business- und Touristenbetrieb. Es ist auch eine soziale Institution, die Arbeits- und Ausbildungsplätze für Leute mit einer leichten Behinderung bietet.
Ausgabe 4/2011



