Im Hotel zuhause

Wie wohnen eigentlich die Mitarbeiter? Salz&Pfeffer hat in Bern, Gstaad und Luzern die Personalhäuser von drei 5-Sterne-Hotels besucht.

Text: Regula Lehmann und Tobias Hüberli / Fotos: Marcel Studer


Bewohnt ein Eckzimmer in der fünften Etage des Hotels Schweizerhof Luzern: Bartosz Kaczan

Bartosz Kaczan, Hotel Schweizerhof, Luzern

Zimmer mit Seesicht

Wenn Bartosz Kaczan über seinen Arbeitgeber spricht, ist er voll des Lobes. Die Arbeit im Hotel Schweizerhof Luzern gefällt ihm ausgesprochen gut und das Hotel erst recht. «Es ist nicht nur ein Fünfsterne-Betrieb für die Gäste, sondern auch für die Mitarbeitenden», sagt er. Der gebürtige Pole arbeitet als Portier, nimmt die Gäste in Empfang, parkiert ihre Autos und führt sie in ihr Zimmer. Sein Arbeitsbereich umfasst den Empfang, wohnen darf er fünf Etagen höher, im Ostflügel des über 160-jährigen Hauses.

Eigentlich wäre das Eckzimmer für zwei Personen gedacht, aber Bartosz Kaczan wohnt für 450 Franken alleine darin. «Ich habe ein Zimmer mit Seesicht», ist das Erste, was er mit freudigem Stolz seinem Gegenüber mitteilt, wenn er von seiner Unterkunft erzählt. Und tatsächlich: eines der beiden Fenster geht zum Vierwaldstättersee hinaus, im Hintergrund zeichnet sich das prächtige Bergpanorama ab. Das Zimmer ist geräumig und bietet eine eigene Dusche und ein Lavabo, die Toiletten befinden sich zur allgemeinen Benützung im Gang. Das Bett und ein Möbel waren bei seinem Einzug bereits vorhanden, er selber hat einen runden Tisch mit Stühlen beigesteuert. Über eine eigene Küche verfügt der Portier zwar nicht, dafür darf er sich in der Mitarbeiterkantine verpflegen.

Der gebürtige Pole lebt seit fünf Jahren in der Schweiz und arbeitete zuerst im Hotel National als Steward, später im Hotel Europe. Im Juni 2008 konnte er die Stelle im Hotel Schweizerhof Luzern antreten. Damals hatte er eine eigene Wohnung in Luzern. Da er in der Zwischenzeit aber für sieben Monate zurück nach Polen ging, löste er den Mietvertrag auf. Dann erhielt er ein weiteres Arbeitsangebot für die Sommersaison 2010 – und die Möglichkeit, ein Personalzimmer zu beziehen. Der Arbeitsvertrag wurde stetig verlängert und so kam es, dass Bartosz Kaczan mittlerweile jener Mitarbeiter ist, der die längste Zeit im Hotel wohnt. Seine Arbeitskollegen sind jeweils nicht lange in der Personalunterkunft geblieben, sondern haben sich eine eigene Bleibe gesucht. Das will auch Kaczan nächstes Jahr tun. Denn es sei langsam an der Zeit, dass auch er etwas Eigenes habe.

In den Personalzimmern herrschen keine strickten Regeln. Nur ruhig sollte es sein und wenn jemand zu Besuch kommt, muss man dies der Hotelleitung aus Sicherheitsgründen mitteilen. Seine Unterkunft reinigt Kaczan selber und für die Kleiderwäsche stehen ihm eine Waschmaschine und ein Trockner zur Verfügung.


Wohnt mit ihrem Freund im Studio:
Doris Zaugg

Doris Zaugg, Hotel Palace, Gstaad

Schlicht, dezent und geschmackvoll

Sie liebt das Schöne, hat ein Auge fürs Detail. Und sie lebt sich in ihrer Arbeit künstlerisch aus. Doris Zaugg ist Floristin im Hotel Palace in Gstaad. Die junge Frau träumte schon in ihrer Lehrzeit in Bern davon, als Floristin in einem grossen, noblen Hotel zu arbeiten. Denn hier darf sie grenzenlos kreativ sein. Nach zwei Jahren Berufserfahrung in einem Blumengeschäft und der bestandenen Berufsmaturitätsprüfung klappte es, sie erhielt die Stelle im Hotel Palace. Doris Zaugg zog 2009 nach Gstaad, in ein Zimmer im Personalhaus Casa Bianca, gleich neben dem Hotel. In ihrer Unterkunft verfügte sie zwar über ein eigenes Badezimmer, jedoch nicht über eine eigene Küche, deshalb nutzte Sie später die Gelegenheit, ins neu gebaute Personalhaus «Gütscheli» zu ziehen. Dieses liegt zwar etwa 15 Gehminuten vom Hotel weg, gewährt dadurch aber etwas mehr Abstand zum Arbeitsplatz und damit mehr Privatsphäre.

Mittlerweile arbeitet Doris Zaugg die vierte Saison im Palace. Mit ihr ist eine weitere Floristin für die Blumendekoration des ganzen Hotels verantwortlich. Die beiden gestalten nicht nur das grosse Blumengesteck im Hoteleingang, sämtliche Tischdekorationen in den Restaurants und in den Hotelzimmern, sondern auch den Blumenschmuck für spezielle Events.

Die junge Floristin aus Bern hat in Gstaad nicht nur eine Traumstelle, sondern auch ihren Freund gefunden. Er arbeitet als Kellner, ebenfalls im Palace. Und so kam es, dass die beiden letzten Juni zusammen ein Zweier-Studio im Personalhaus Gütscheli bezogen. Es ist ein helles, geräumiges Eckzimmer, welches komplett möbliert ist und über eine Kochnische, einen Esstisch, ein Doppelbett, ein Badezimmer sowie einen Balkon verfügt. Das Zimmer ist fein säuberlich aufgeräumt und mit dem Flair einer Fachfrau dekoriert. Schlicht, dezent und geschmackvoll.



Französischvokabeln pauken oder den Feierabend
geniessen? Vanessa Wachter in ihrer Wohnung im
Personalhaus des Hotel Schweizerhof in Bern.

Vanessa Wachter, Hotel Schweizerhof, Bern

Ziemlich das Gegenteil

Das Erste, was die Delegation des Staatsfonds von Katar, dem Besitzer des für über 50 Millionen Franken umgebauten Hotels Schweizerhof in Bern, sehen wollte, als sie in Bern ankamen, war nicht das Prestigeprojekt am Berner Bahnhof, sondern ein ebenfalls neu renoviertes Gebäude an der Lorrainestrasse 6a, das Personalhaus. «Den Besitzern des Hotels Schweizerhof sind gute und faire Arbeitskonditionen für das Personal sehr wichtig», sagt Hotelier Michael Thomann.

130 Mitarbeiter sorgen seit April dieses Jahres dafür, dass der Schweizerhof zu seiner alten Grandezza zurückfindet. Zwei Monate nach der Eröffnung wurde der 5-Sterne-Status erreicht. Michael Thomann steht vor der anspruchsvollen Aufgabe, den Spirit eines Jean-Jacques Gauer, der den Schweizerhof über Jahrzehnte prägte, mit einem äusserst modernen Hotelbetrieb zu vermählen. «Normalerweise setzt man in einem 5-Sterne-Hotel auf erfahrene, etwas ältere Mitarbeiter, bei uns suchen wir eher junge Mitarbeiter, die vielleicht weniger Erfahrung, dafür sehr viel Leidenschaft mitbringen», erklärt Thomann.

Eine davon ist die 21-jährige Rezeptio-nistin Vanessa Wachter. Nach drei Saisons in Pontresina und einem Zwischenstopp in Davos übernahm sie im April eine Stelle im damals noch nicht eröffneten Schweizerhof. Mit Personalhäusern kennt sich die Österreicherin aus, im Guten wie im Schlechten. «Manchmal sind es einfache Absteigen, schlecht geputzt vom Vorgänger, mit ekligen Matratzen und einem Fernseher nicht grösser als eine Zigarrenschachtel. Hier in Bern ist es ziemlich das Gegenteil.»

Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.

Ausgabe 8/2011

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