«Internas sind heikel»

Wie man es anstellt, von den Medien wahrgenommen zu werden, wann und wie man kommuniziert und was man besser nicht sagt, das weiss Edith Weibel Sovilla, die Geschäftsführerin der Kommunikationsagentur Weibel Communication AG. Wir haben sie im Radisson Blu Hotel am Flughafen Zürich getroffen.

Text: Regula Lehmann / Fotos: Tony Baggenstos

Salz&Pfeffer: Edith Weibel Sovilla, mit Ihrer Kommunikationsagentur unterstützen Sie insbesondere Hotels in der Kommunikations- und Medienarbeit. Wer sind Ihre Kunden?
Edith Weibel Sovilla: Mein erster grosser Kunde war Mövenpick mit insgesamt 27 Hotels in sechs Ländern. Da ich zuvor bei Mövenpick Hotels International (MHI) angestellt war und dort die Kommunikationsabteilung in der Schweiz und in Deutschland aufbauen durfte, konnte ich die Gruppe als Kunde übernehmen, als ich mich 1990 selbständig machte. Zur gleichen Zeit entstand auch das Mandat mit der Radisson-Hotelgruppe, welche heute noch zu meinen Kunden zählt. Wir beraten zudem zahlreiche Hotels wie das Art Deco Hotel Montana, das Misani, die Hotels Saratz, La Val, Seerose, Bad Bubendorf und weitere. Das zweite Standbein der Agentur sind Mandate im Lifestyle-Bereich, zu denen unter anderen Nespresso, Passugger und Tommy Hilfiger zählen.

Warum beraten Sie keine Restaurants?
Weibel: Bei den Restaurants gibt es  schlichtweg zu wenig, worüber man sprechen könnte. Wir betreuen nur Restaurants, die an ein Hotel angeschlossen und somit in ein Gesamtkonzept eingebunden sind. Bei Hotels kann zum Beispiel über die Zimmer, die Tagungsmöglichkeiten, den Service, neue Angebote und Gesamtpakete für den Gast berichtet werden.

Was beinhaltet Ihre Arbeit konkret?
Weibel: Wir beraten unsere Kunden in erster Linie in der Firmen- und Produktekommunikation. Das heisst, wir helfen ihnen bekannt zu machen, dass sie neue Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Des Weiteren bieten wir auch Medienkontakte, Medien- und Umfeldbeobachtungen sowie Krisenkommunikation an.

Was nützt ihre Arbeit einem Kunden?
Weibel: Unsere Kunden messen uns oft nur anhand der redaktionellen Beiträge. Sie zählen, wie viele Artikel aufgrund unserer Arbeit über sie geschrieben worden sind. Anschliessend vergleichen sie die Fläche mit den Inseratpreisen des jeweiligen Mediums und rechnen diesen mal drei, da ein redaktioneller Artikel dreimal mehr wert ist als ein Inserat.

Warum?
Weibel: Weil man einen redaktionellen Artikel inhaltlich nicht beeinflussen kann und er dadurch glaubwürdiger ist.

Auch wenn er negativ oder kritisch geschrieben ist?
Weibel: Er sagt eine Meinung, das ist wichtig. Wenn der Text kritisch, aber korrekt ist, ist das natürlich glaubwürdiger als ein Inserat.

Sie bedauern, dass Sie anhand redaktioneller Artikel gemessen werden?
Weibel: Ich finde diese Messung nicht ausreichend, denn wir stellen auch ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen den Journalisten und dem Kunden her. In einer Krise fällt die Kommunikation zu den Medienleuten einiges leichter, wenn man bereits ein gutes Verhältnis zu ihnen aufgebaut hat.
 

Zum Beispiel?
Weibel: Nehmen wir an, in einem Unternehmen passiert etwas Schlimmes und die Tagespresse will mit den Infos sofort raus, obwohl die Gründe der Geschehnisse noch gar nicht ausreichend bekannt sind. Wenn die Agentur einen guten Kontakt zu den Medien pflegt, kann  unter Umständen die Veröffentlichung noch einen Moment verhindert werden.

Kommen die Journalisten Ihrer Bitte nach?
Weibel: Wenn sie uns vertrauen und wissen, dass wir ihnen die Infos sofort nach Erhalt liefern, dann schon. Und diese Glaubwürdigkeitsherstellung, die Transparenz und die Authentizität sind viel wichtiger als ein redaktioneller Beitrag.

Wie viele Neukunden kann ein Hotel generieren, wenn ein Artikel in der Presse erscheint?
Weibel: Das kann man so nicht messen. Aber es geht bei der Kommunikationsarbeit vielmehr darum, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und das Image zu pflegen.

Wie schätzen Sie die Kommunikationsarbeit der Hotellerie und Gastronomie generell ein?
Weibel: Die wird nicht sehr professionell gemacht. Erstens ist das Bedürfnis, in den Medien zu sein, zum Teil gar nicht erst vorhanden. Viele realisieren nicht, dass ihnen ein Artikel in der Tages- oder Sonntagspresse oder in den Magazinen überhaupt nutzen würde. Zweitens braucht Medienarbeit ein gewisses Budget. Oft verfügen die Betriebe nicht einmal über eine Pressemappe.

Was müsste eine professionelle Pressemappe eines Hotels enthalten?
Weibel:Sie muss eine CD enthalten, auf der alle Texte und Bilder über den Betrieb abgespeichert sind. Sowie natürlich die Texte in ausgedruckter Form. Zuvorderst ist der aktuelle Text, auf dem die Neuigkeiten vermeldet werden. Ein Journalist braucht immer eine Basis, damit er etwas schreiben kann. In die Pressemappe gehören natürlich auch alle Informationen zum Hotel, wann es eröffnet wurde, Hintergrundinfos wie die Geschichte des Hauses, das Konzept, welches dahintersteckt, sowie das Speise- und Weinangebot. Hinzu kommen die Zahlen und Fakten. Eine Pressemappe muss nicht immer gleich umfangreich sein, aber sie muss den Betrieb nach aussen präsentieren.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Salz&Pfeffer.

Ausgabe 8/2011

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