Sie beraten Gastrounternehmer. Welche Skills braucht es dafür?
Corsin Biert: Unsere Kunden kommen in der Regel nicht zu uns, wenn es ihnen gut geht, sondern wenn sie in eine Schieflage geraten sind, nicht selten, wenn sie praktisch vor dem Untergang stehen. Um diese Personen kompetent zu beraten, muss man ein grosses theoretisches Wissen mitbringen. Aus meiner Sicht noch wichtiger ist aber die Praxiserfahrung. Ich habe fast 20 Jahre lang internationale Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen gesammelt. Ich habe ein eigenes Unternehmen gegründet, einen Innovationspreis gewonnen, bin aber auch gescheitert. Alle diese Erfahrungen helfen mir, eine Situation schnell zu analysieren und meine Mandanten zu verstehen. Empathie und Demut spielen in meiner Arbeit ebenfalls eine wichtige Rolle.
Was ist mitunter der grösste Fehler, den Gastrounternehmer begehen?
Oft fehlt eine klare Marktpositionierung. Diese Betriebe versuchen, es allen recht zu machen. Dabei ist es zentral, seine Zielgruppe und vor allem deren Bedürfnisse zu kennen. Auf diese muss man dann das gesamte Konzept ausrichten, angefangen bei der Einrichtung und dem Licht über das Angebot und die Preisgestaltung bis hin zur Mitarbeiterschulung. Das muss man dann wirklich bis ins kleinste Detail runterbrechen.
Ein Unternehmer sagt Ihnen, dass sein Lokal nicht läuft, und bittet um Hilfe. Was passiert dann?
Das ist der Klassiker: Die Kosten übersteigen die Erträge. Viele denken, wir können einfach an einer Schraube drehen und dann kommen die Zahlen wieder in Ordnung. Aber so funktioniert das nicht. Dafür sind die Margen in der Gastronomie viel zu gering. Nur in den seltensten Fällen kann man auf einen Schlag 25 Prozent Kosten sparen und den Betrieb auf Kurs bringen. Meistens spart man 0,3 Prozent hier, 0,2 Prozent da und kommt in der Summe dann vielleicht auf 1,5 Prozent, was dann schon sehr viel ist. In solchen Fällen analysieren wir die gesamte Betriebsstruktur und versuchen, uns mit vielen Vorschlägen einer Lösung anzunähern.
Ein wichtiger Teil Ihrer Arbeit sind Businesspläne. Erzählen Sie.
Grob gesagt, geht es da um Wirtschaftlichkeitsberechnungen, entweder von bestehenden Betrieben oder von komplett neuen Projekten. Konkret kommt ein Kunde mit einer Idee zu mir. Wir gehen dann gemeinsam vor Ort und schauen uns das Objekt an. Aufgrund einer Standortanalyse beurteile ich dann, ob das Konzept wirtschaftlich Sinn ergibt, sich also eine Wirtschaftlichkeitsberechnung überhaupt lohnt.
Müsste ein Unternehmer seinen Businessplan nicht selbst erstellen?
Durchaus, aber oft ist man stark in seiner eigenen Idee drin und auf eine gewisse Weise naiv befangen. Das muss man auch sein, sonst geht man das Risiko einer Unternehmensgründung gar nicht erst ein. Bei Gastroconsult arbeiten 170 Experten, die alle sehr gut vernetzt sind. Es kann nicht schaden, ein Projekt vorgängig von uns durchleuchten zu lassen.
Was kostet das im Schnitt?
Es gibt keine Pauschale. Ich koste 210 Franken pro Stunde. Kleinere Expertisen sind in wenigen Stunden gemacht. Für einen kompletten Businessplan bewegen wir uns meist in einem Bereich von 18 000 bis 20 000 Franken. Dafür gibt es zirka 30 Seiten mit komplexen Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Klar, das ist viel Geld. Aber bei einem Projekt in der Grössenordnung von fünf Millionen fallen diese Kosten nicht gross ins Gewicht. Wir bieten eine Entscheidungsgrundlage, mit der man entweder fünf Millionen Franken spart, weil man realisiert, dass das Projekt wirtschaftlich keinen Sinn ergibt, oder man investiert anschliessend, weiss aber, auf was man sich einstellen kann.