Wovon haben Sie als junger Mann geträumt?
Markus Binkert: Mit Menschen zu arbeiten bereitete mir Freude. Und ich wollte die grosse weite Welt entdecken. Nach dem Gymnasium stand ich vor der Wahl, an der HSG in St.Gallen Wirtschaft zu studieren oder in Lausanne die Hotelfachschule zu besuchen. Meine Träume sprachen klar für die Hotelfachschule. Ich habe es nie bereut.
Erzählen Sie.
Die Gastronomie und dann vor allem die Hotellerie haben mir die Gelegenheit gegeben, früh meine Sozialkompetenz zu entwickeln. Ich konnte bereits in jungen Jahren Menschen führen und lernen, mit Mitarbeitenden und Gästen aus anderen Kulturkreisen umzugehen. Die Ausbildung an der Hotelfachschule ist auch diesbezüglich eine gute und lehrreiche Lebenserfahrung.
Vor Ihrem Engagement bei der SV arbeiteten Sie für die Swiss Airline. Wie profitieren Sie heute von dieser Erfahrung?
Ich war zwölf Jahre in der Geschäftsleitung einer Airline. Das ist generell von Vorteil, weil es zahlreiche verwandte Themen gibt. Ich habe gelernt, wie man mit vielen Mitarbeitenden umgeht. Auch in Bezug auf generelle Managementthemen wie IT, Produktentwicklung, Markenauftritt und Nachhaltigkeit kann ich von meinen früheren Aufgaben profitieren. Bei der SV suchte man damals jemanden mit einer breiten Erfahrung.
Wie haben Sie die SV 2024 angetroffen?
Das Unternehmen war in einem guten Zustand, sah sich aber mit einem volatilen Umfeld konfrontiert. Nach der Pandemie musste der Betrieb superschnell wieder hochgefahren werden. Allerdings fehlten damals viele Fachkräfte. Danach musste man realisieren, dass die Welt nicht mehr genau so war, wie wir sie kannten. In unserem Kerngeschäft, der Gemeinschaftsgastronomie, merkten wir, dass Homeoffice aufgekommen ist. Wenn man ein Geschäftsmodell hat, das, grob gesagt, auf fünf Mahlzeiten pro Woche ausgerichtet ist, und dann zeigen sich der Montag und der Freitag plötzlich deutlich schwächer, dann ist das eine neue Realität.
Wie gingen Sie vor?
Wir haben unseren Fokus geschärft und uns von unserem Geschäft in Österreich getrennt. In der Schweiz haben wir uns von einigen unserer öffentlichen Restaurants sowie von den Standorten in der Gemeinschaftsgastronomie getrennt, bei denen sich die Frequenzen zu wenig erholt haben. So konnten wir 2025 frisch aufgeräumt und mit einer klaren Wachstumsstrategie vorangehen. Seit Anfang 2026 unterstreichen wir diesen Aufbruch zusätzlich mit einem neuen Markenauftritt. Letztes Jahr feierten wir das 111-Jahr-Jubiläum des Unternehmens. Wir konnten stolz auf unsere Geschichte zurückschauen und gleichzeitig in einer Aufbruchstimmung nach vorne blicken.
In der Schweiz dominieren vier Unternehmen die Gemeinschaftsgastronomie. Der Markt scheint mehrheitlich verteilt.
Das ist so. Als Marktführer haben wir viele langjährige Partnerschaften. Wir dürfen zum Beispiel mit der Firma Bühler seit über 100 Jahren zusammenarbeiten. Bei vielen Mandaten, wie etwa bei staatsnahen Betrieben, werden die Aufträge aber regelmässig neu ausgeschrieben. Wir müssen uns immer wieder beweisen.