Wobei stören wir Sie gerade?
Nadine Stadelmann: Wir testen zurzeit das neue Dessert mit Kürbis, Sanddorn und Sauerrahm für unser Herbstmenü. Ich wollte den Kürbis nicht klassisch als Vorspeise auftischen. Da fiel mir der Rüeblikuchen ein. Auch zum süssen Kürbis passt vieles, wie Vanille, Kardamom oder Sternanis.
Sie sind Köchin, arbeiten derzeit aber als Patissière. Warum?
Als Verantwortliche eines kleinen Teams muss man manchmal einspringen, der Posten ist derzeit vakant. Ich gebe auch meinen Köchinnen und Köchen die Chance, mal zu wechseln; so bleibt das Team dynamisch. Nun bin ich an der Reihe. Die filigrane Arbeit mache ich sehr gern. In meiner Rezeptsammlung sind aber nur Dessert-Basics. Ich musste mich tief ins Thema einlesen und umfangreiche Recherchen betreiben. Das ist zwar spannend, aber kräftezehrend, denn meine Küchenchef-Aufgaben verschwinden ja nicht einfach. Zum Glück nimmt mir mein Souschef Dejan einiges ab.
Tauchen Sie mit uns in die Honegg-Dessertwelt ein!
Die Patisserie schliesst den Abend ab, deshalb sollen die Desserts zur regionalen Küche passen und mit den salzigen Gängen stimmig sein. Mein Ziel ist es, dass ich die Desserts probiere und absegne, mich sonst aber auf die Kreativität und Professionalität des Teams verlassen kann. Diese Bühne würde ich gern jemandem bieten. Klar brauchen wir zuerst Zeit, bis wir einander verstehen. Nebst der Regionalität setzt uns die Saison Grenzen, aber sonst ist alles möglich. So haben wir auch schon das Fett des Markbeins mit weisser Schokolade zu einem Karamell-Fudge verarbeitet.
Das Dessert Ihres Gourmet-Menüs heisst Wald 2.0. Erzählen Sie uns mehr darüber.
Unser erstes Wald-Dessert bestand aus einem «Waldboden» mit Schokoladen-Crumble und einem Baumstamm aus Schokolade, Schlüsselblumen-Crème und Waldmeistersorbet. Wir haben die Idee weitergedacht und darin Waldmeister, Schlüsselblumen und Tannenschösslinge verarbeitet. Das simulierte Moos ist ein Tannenschössling-Spongecake, den wir in Tannenschössling-Sirup einlegen. Der Taler, der das Waldmeistersorbet bedeckt, ist an den Querschnitt eines Baumstamms angelehnt. Dafür braucht man nur eine Silikonform.
In Ihrem Rucksack tragen Sie stets einen ganzen Stapel Papier mit sich. Was hat es damit auf sich?
Bei neuen Rezepten lege ich zuerst die Komponenten fest, dann bringe ich sie aufs Papier, in Worten, aber auch in Zeichnungen. Keine schönen, aber so kann ich mir das besser vorstellen. Der Stapel ist sortiert nach Saisons, aber es befinden sich auch einfach lose Ideen darunter.
Reden wir über Ihren salzigen Küchenstil.
Er ist einfach, aber doch mit einem Twist. Das Minimum ist regional und saisonal. Wir fliegen keine Produkte ein und arbeiten mit Kräutern, Gemüse und Blumen aus der Region. Ausserdem bietet die Innerschweiz grandiose Molkereiprodukte. Wichtig ist mir, dass das ganze Tier wertgeschätzt wird; deshalb sind in jedem Menü Innereien dabei. Wie sagt man so schön: Die inneren Werte zählen.