02.04.2025

Erfolgsgeschichten aus der Talentschmiede

Interviews: Bianca Braun – Foto: Shutterstock_Pickadook
Rund 400 Berufsleute haben seit 2012 die höhere Fachprüfung zum/zur Leiter/-in Gemeinschaftsgastronomie absolviert. Der entsprechende Lehrgang ist eine echte «Talentschmiede» und ein Sprungbrett für die weitere Karriere – auch für Adrian Beutler. Er blickt für uns zurück auf die Ausbildung und lässt uns daran teilhaben, wie sie ihn geprägt und seine weitere Laufbahn beeinflusst hat.
Pickadook

Géraldine Vaucher 
Bereichsleitung Hotellerie
HSS Services AG

«Mein Ziel war es, die Hotellerie umfassend und nachhaltig zu prägen»

Wie nachhaltig war für Sie die Ausbildung?

Sehr! Die Ausbildung hat mir nicht nur fachliche Fähigkeiten vermittelt, sondern auch meine persönliche und berufliche Entwicklung entscheidend geprägt. Ebenfalls hat sich mir dadurch ein enormes Netzwerk aufgetan, von welchem ich noch heute regelmässig profitiere.

Warum – und mit welchem Ziel – haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?
Die Ausbildung zur Leiterin Gemeinschaftsgastronomie ist die optimale Weiterbildung für alle, die in der Lage sein möchten, mehr als eine Abteilung zu führen. Mein Ziel war es, die Hotellerie umfassend und nachhaltig zu prägen – unter allen relevanten Aspekten. Mit dem Wissen aus der Berufsprüfung allein wäre das nicht möglich gewesen, aber durch diese Ausbildung konnte ich die erforderlichen Kompetenzen erwerben und mein Ziel erreichen.

Was vom Gelernten wenden Sie heute noch an?
Vieles. Besonders die strategischen Ansätze und Managementmethoden haben meine Arbeit nachhaltig beeinflusst. Sie helfen mir, den Überblick über mehrere Abteilungen zu behalten und effizienter zu arbeiten, was meinen Arbeitsalltag strukturiert und erheblich vereinfacht hat.

Welches ist Ihre schönste Erinnerung an die Ausbildungszeit?
Definitiv das starke Gemeinschaftsgefühl – ob in der Klasse, in der Lerngruppe oder im gesamten Jahrgang. Wir konnten viel voneinander lernen, haben uns intensiv ausgetauscht und gegenseitig unterstützt. Das hat die Ausbildungszeit ungemein bereichert und mir persönlich sehr gutgetan.

Was war Ihre grösste Herausforderung während der Ausbildung
Die grösste Herausforderung war definitiv, alles unter einen Hut zu bekommen: Arbeit, Schule, Lernen, Familie und Freunde. Es war oft schwierig, allen Bereichen gerecht zu werden, ohne dass etwas zu kurz kam. Mit guter Planung, klaren Prioritäten und der Unterstützung meiner Familie und Freunde konnte ich jedoch ein Gleichgewicht finden und die Balance bis zum Schluss erfolgreich halten.

Welche berufliche Funktion hatten Sie während der Ausbildung inne – und welche heute?
Während der Ausbildung war ich Teamleiterin. Heute bin ich als Bereichsleitung Hotellerie tätig – eine Position, auf die mich die Ausbildung bestens vorbereitet hat. Sie hat mir den beruflichen Aufstieg und die Übernahme grösserer Verantwortung ermöglicht und meinen Karriereweg nachhaltig positiv beeinflusst.

Reto Blaser
Leiter Hotellerie & Gastronomie
Stiftung WAG – Wohnen & Arbeiten für Körperbehinderte, Gwatt/Thun

«Ich habe mich als Mensch, Führungsperson und Fachmann weiterentwickelt»

Wie nachhaltig war für Sie die Ausbildung?
Die Ausbildung war für mich in vielerlei Hinsicht nachhaltig. Besonders die Führungsthemen und das ganzheitliche Verständnis haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen – nicht nur im beruflichen, sondern auch im persönlichen Bereich. Ich habe mich als Mensch, Führungsperson und Fachmann weiterentwickelt. Die Ausbildung hat mir auch den Blick für zukunftsgerichtete Themen geöffnet. Besonders meine Diplomarbeit hat noch heute einen direkten Einfluss auf meinen Arbeitsalltag. Man könnte sagen, die Ausbildung wirkt nach – und zwar jeden Tag!

Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?
Ich wollte beruflich vorankommen und mich auf die Zukunft vorbereiten. Mir war wichtig, mehr Verantwortung übernehmen zu können, und gleichzeitig war ich gespannt, was die Ausbildung bringen würde. Das Ziel war klar: Ich wollte mich fit machen für kommende Herausforderungen. Rückblickend kann ich sagen, dass sich dieses Ziel definitiv erfüllt hat – die Ausbildung hat mir genau die Werkzeuge an die Hand gegeben, die ich dafür brauchte.

Was vom Gelernten wenden Sie heute noch an?
In den vergangenen Monaten und Jahren war ich mehrfach an Umbau- und Neubauprojekten beteiligt. Gerade in solchen Situationen konnte ich viel aus der Weiterbildung anwenden und mein erlerntes Wissen einfliessen lassen. Besonders die vielschichtigen Themen rund um Veränderungsprozesse – also den «Change» – haben mir dabei geholfen, diese Projekte effektiv zu gestalten.

Welches ist Ihre schönste Erinnerung an die Ausbildungszeit?
Das sind definitiv die Momente, die ich mit den anderen Teilnehmenden verbracht habe. Der Austausch während der Schulwochen, die spannenden und lehrreichen Diskussionen am Abend sowie das gemeinsame Lernen waren besonders bereichernd. Ich habe nicht nur wertvolle Kontakte geknüpft – es sind auch Freundschaften entstanden. Ein besonderer Bonus war, dass mir durch den Unterricht mit den Dozierenden eine Tür geöffnet wurde: Heute arbeite ich selbst in der Ausbildung in Weggis und kann so ein Stück weit zurückgeben.

Was war die grösste Herausforderung während der Ausbildung?
Die grösste Herausforderung war definitiv die Doppelbelastung, die durch die Ausbildung, einen 120-Prozent-Job und die Familienpflichten entstand. Es war nicht einfach, all diese Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Besonders die Disziplin, in den unterrichtsfreien Wochen am Ball zu bleiben, stellte eine Herausforderung dar. Ein klarer Zeitplan und eine strukturierte Herangehensweise halfen mir dabei, die Balance zu finden.

Welche berufliche Funktion hatten Sie während der Ausbildung inne – und welche heute?
Während der Ausbildung war ich als Leiter Küche tätig. Diese Rolle umfasste die Verantwortung für die Küchenabläufe und die gastronomische Qualität. Nach der Ausbildung habe ich zusätzlich ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft HF absolviert. Heute arbeite ich als Leiter Hotellerie & Gastronomie in einer Institution für körperlich Beeinträchtigte. In dieser Position bin ich verantwortlich für die Gastronomie und Hauswirtschaft, einschliesslich Küche, Restauration, Reinigung und Wäscherei. Zudem erfülle ich die Gastgeberfunktion gegenüber unseren Gästen und Kunden. Unsere Angebote reichen von Catering für Kitas, Institutionen und Heime bis hin zu einem Mahlzeitendiensten. Neben meiner Haupttätigkeit bin ich auch als Dozent und Lehrperson in verschiedenen Bildungseinrichtungen tätig und engagiere mich als Vorstandmitglied im Schweizer Kochverband.

 

Gabrielle Obrecht
Zentrumsleitung, Pflegezentrum Luegenacher AG in Rothrist

«Der Austausch und Wissenstransfer waren eine Bereicherung»

Wie nachhaltig war für Sie die Ausbildung?
Der Ausbildungslehrgang war und ist mir in allen weiteren beruflichen Schritten in irgendeiner Weise hilfreich. In meiner heutigen Funktion hilft mir das erworbene Wissen bei der Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung im betrieblichen Alltag. 

Warum – und mit welchem Ziel – haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden? Und: liess sich Ihr Ziel erreichen?
Ich hatte das Glück, bereits sehr jung in eine Betriebsführungsfunktion in der Gemeinschaftsgastronomie zu kommen. Mit der HFP wollte ich mein Wissen aus dem beruflichen Alltag erweitern, vertiefen und festigen. 

Was vom Gelernten wenden Sie heute noch an?
Das breite Generalisten-Wissen, welches insgesamt vermittelt wurde, sowie die Förderung von vernetztem und ganzheitlichen Denken und Handeln. Beides unterstützt mich noch heute in meinem Wirken und ist ein grosser Mehrwert. Für meine heutige Tätigkeit habe ich besonders aus dem betriebswirtschaftlichen Teil in den Modulen viel mitnehmen können. Ebenso war die HFP eine solide Basis für weitere Ausbildungen, welche später ich noch absolviert habe.

Welches ist Ihre schönste Erinnerung an die Ausbildungszeit
Abgesehen von den Fachmodulen waren wir eine gemischte Klasse zusammen mit den anderen Diplomausbildungen auf HFP-Stufe. Der Austausch und Wissenstransfer waren für mich eine Bereicherung. Insbesondere auch das Arbeiten in der Lerngruppe empfand ich als sehr wertvoll und hat mich persönlich weitergebracht.

Was war Ihre grösste Herausforderung während der Ausbildung?
Als berufstätige Mutter eines Kleinkindes war insbesondere das Erarbeiten der Diplomarbeit nicht immer ganz einfach zu organisieren. Der Zeitaufwand hat sich aber gelohnt, und ich bin froh, diesen Weg gegangen zu sein.

Welche berufliche Funktion hatten Sie während der Ausbildung inne – und welche heute?
Zum Zeitpunkt der Ausbildung habe ich als Leiterin Qualitätsmanagement und Produktmanagement bei der ZFV-Unternehmungen gearbeitet. Heute leite ich die Pflegezentrum Luegenacher AG mit rund 145 Mitarbeitenden sowie die Wohnzentrum Luegenacher AG.

Robert Merz
Leiter Restaurants & Angebotssteuerung Inselspital, Universitätsspital Bern

«Es macht mir weiterhin Freude»

Wie nachhaltig war für Sie die Ausbildung? 

Robert Merz: Hundert Prozent nachhaltig. Die Ausbildung ist ein grosser Teil von meinem Wissens- und Erfahrungsfundament, für meinen beruflichen Alltag. 

Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?
Die differenzierten Ausbildungsinhalte haben mich angesprochen. Und weil die Ausbildung zu meinem damaligen Jobinhalt gepasst haben.

Haben Sie Ihre Ziele erreicht? 
Ja – ich bin immer noch in der Gemeinschaftsgastronomie dabei, auf der Karriereleiter weitergekommen und es macht mir weiterhin Spass und Freude.

Was wenden Sie heute noch an, von dem, was Sie in der Ausbildung gelernt haben? 
Mittlerweile liegt die Ausbildung 20 Jahre zurück. Viel Erfahrung und Wissen ist dazu gekommen. Aber ich bin mir sicher, dass in meinem Erfahrungsrucksack viele «Tools» dabei sind, die ich aus der Ausbildung mitgenommen habe. Aber etwas ganz Konkretes zu nennen ist schwierig.

Welches ist Ihre beste Erinnerung an die Ausbildungszeit? 
Definitiv der Zusammenhalt mit den Kolleginnen und Kollegen. Auch heute, über 20 Jahre nach dem Ausbildungsstart, treffen wir uns regelmässig.

Welches war die grösste Herausforderung während der Ausbildung? 
Neben dem Hundert-Prozent-Job die Energie für die Schultage und das Lernen aufzubringen.

Welche Berufs-Funktion hatten Sie während der Ausbildung – und welche haben Sie heute?
Damals; Kochender Betriebsleiter bei der SV Group. Heute; Leiter Restaurants und Angebotssteuerung im Inselspital. 

 

 

Adrian Beutler
Stellvertretender Leiter Gastronomie/Leiter Küche
Spital STS AG, Thun

«Wir waren eine tolle Klasse»

Wie nachhaltig war für Sie die Ausbildung?
Adrian Beutler:
Wenn man sich in unserer Branche entwickeln will, kommt man um die HFP nicht rum. Ich denke, der grosse Mehrwert dieser Ausbildung liegt in der Vielfältigkeit und der Vertiefung der jeweiligen Fächer. Die Ausbildung wirkt für mich nachhaltig, weil das erworbene Wissen mit dabei hilft, bereichsübergreifend zu arbeiten. Auch ist sie ein Meilenstein auf dem Weg an eine Fachhochschule – wie in meinem Fall. Ich konnte mit einem NDS in Unternehmensführung auf der Ausbildung aufbauen. Dies wiederum war das Eintrittsticket and die Fachhochschule in Zürich (Institut für angewandte Psychologie), wo ich Leadership und Coaching studieren konnte. Zurzeit bin ich im CAS Arbeits- und Organisationspsychologie. Dies wäre ohne HFP gar nicht möglich gewesen.

Warum – und mit welchem Ziel – haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden? Und liess sich dein Ziel erreichen?
Mit gerade mal 27 Jahren war ich damals sehr jung für diese Ausbildung – und sehr stolz darauf, zugelassen worden zu werden. Vielleicht wollte ich mir und anderen etwas beweisen. Schon als Lernender habe ich in der alten Auflage des Pauli auf den letzten Seiten die Fotos der Fachpersonen angeschaut, die am Lehrbuch gearbeitet haben. Die hatten fast alle eine HFP, und ich hatte einen riesigen Respekt. Eine HFP abgeschlossen zu haben, war für mich der Inbegriff für Erfolg. Für mich war immer klar: Wenn ich in der Branche etwas bewegen will, führt kein Weg an einer HFP vorbei.

Was vom in der Ausbildung Gelernten wenden Sie heute noch an?
Das vertiefte Finanzwissen kommt mir heute noch zugute – aber auch das Fachwissen in den Bereichen Betriebsplanung und Einrichtung. Und nicht zuletzt habe ich mir Fähigkeiten im Bereich Leadership und Teamentwicklung angeeignet – damals wurden die Grundlagen geschaffen, die ich später an der Fachhochschule vertiefen konnte.

Welches ist Ihre schönste Erinnerung an die Ausbildungszeit
Wir waren eine tolle Klasse! Ich konnte sehr viel von den anderen Teilnehmenden lernen. Viele Kontakte sind bis heute geblieben. Die Betriebsbesuche und die praktischen Experimente im Bereich Teamdynamik sind mir bis heute in Erinnerung.

Was war Ihre grösste Herausforderung während der Ausbildung?
Da ich sehr jung war hatte ich noch nicht so viel praktische Erfahrung, und somit galt ich ein bisschen als Theoretiker in der Klasse und musste mir den Respekt der anderen erst erarbeiten. Mit der Zeit habe ich mir aber ein grosses Fachwissen angeeignet. Ich muss aber zugeben, dass ich immer ein bisschen unsicher war, zumal ich einen riesigen Respekt vor der Ausbildung hatte

Welche berufliche Funktion hatten Sie während der Ausbildung inne – und welche heute?
Ich war damals Sous-Chef in einem kleinen Alters- und Pflegeheim mit rund 12 Mitarbeitenden. Heute bin ich Stv. Leiter Gastronomie und für über 50 Mitarbeitende verantwortlich.

Seit 2012 führt Hotel & Gastro formation die Diplomausbildung Leiter/Leiterin Gemeinschaftsgastronomie durch. Der 1980 vom Schweizer Verband für Heim-, Spital- und Gemeinschaftsgastronomie SVG initiierte Lehrgang ist eine Erfolgsgeschichte. Die Ausbildung besteht aus sechs Modulen und dauert rund anderthalb Jahre. Acht Absolventinnen und Absolventen erzählen in loser Folge, wie die Ausbildung sie geprägt und sie in ihrer Karriere weitergebracht hat.