Elf Pop-ups in sieben Jahren, jedes von ihnen sorgfältig vor- und nachbereitet. Umgesetzt mit unglaublich viel Herz, Können und dem passenden Team, mal in der Stadt, mal im Vorort, einmal sogar auf einer Alp, das letzte nun, als vorläufige Krönung, auf einem Bauernhof: So könnte ein Kurzabriss über den gastronomischen Weg der Schwestern Camille und Céline Rohn lauten.
Hervorgegangen aus einer Projektarbeit, die sich um befristete Gastro-Konzepte drehte, luden sie im Herbst 2019 in ihrer Heimatstadt Burgdorf erstmals zu Tisch, mit der Idee eines zeitlich begrenzten und fortsetzungslosen Projekts. Die eingangs erwähnten Zahlen zeigen, dass es anders kam. Mit dem Trinkgeld vom ersten Pop-up gönnte sich Camille eine Kurzauszeit in der Lenk Lodge im Simmental, kam mit der damaligen Betreiberin ins Gespräch, das eine ergab das andere und so hiess es bald schon «à table an der Lenk». Es folgten Gastspiele in ehemaligen Schalterhallen, Quartier- und Bergpensionsrestaurants, Eventlokalen sowie Gewächshäusern. Neben dem eingespielten Schwesternteam immer mit dabei sind die in Célines Projektarbeit aufgelisteten Pop-up-Vorteile: das überschaubare finanzielle Risiko, die in der Regel betriebsfertigen Küchen, die zahlreichen Experimentiermöglichkeiten, Einblicke in neue Gastro-Welten und obendrauf allerhand Synergien.
Vom Feld direkt auf den Teller
Von ebendiesen erzählen die beiden, als wir sie zwischen zwei Pop-ups zu einem Tee treffen. Die Eindrücke von Schüpfenried sind noch ganz frisch, gleichzeitig liegt die Vorfreude aufs nächste Pop-up bereits in der Luft. Wenn diese Geschichte erscheint, bekochen Camille und Céline ihre Gäste in Schweden, wo sie das Wohnzimmer eines Privathauses mit riesigem Gemüsegarten während sechs Wochen in ein Restaurant verwandeln. Zunächst aber zurück auf den Biohof, dahin, wo ihre Vision Wirklichkeit geworden ist, wie sie sagen. «Die Nähe zum Produkt und den Produzierenden war immer unsere Konstante. Jetzt war sie zum ersten Mal örtlich greifbar, für uns wie für unsere Gäste, allen voran dank Schüpfenried-Betreiber Fritz Sahli. Er war jeden einzelnen Abend mit dabei und hat unsere Gäste nach dem Auftakt im Stall, Hofgeschichten erzählend, zum Gewächshaus begleitet. Die Lorbeeren für den Zauber der zehnten und elften Aplati-Durchführung gehören darum auch ihm und seinem wunderbaren Ort», sagt Camille. Verbunden im Bestreben, das Unverständnis zwischen Stadt und Land zu überwinden, haben beide Parteien während 20 Wochen auf ihre Art Einblicke ins Hofleben gegeben: Fritz und sein Team mit den Hofprodukten und der Kurzführung, Camille und Céline mit ihrem kompromisslosen Fokus auf die kulinarischen Schüpfenried-Schätze.