Im Glace steckt ein Geheimnis: Lúcuma, eine tropische Frucht aus den Wäldern Perus. Es schmeckt fremd und bekannt zugleich. Bruno Gamarra sitzt am Tisch und lässt sich das hausgemachte Eis auf der Zunge zergehen. Er importiert unter dem Namen Capibara Früchte aus seinem Heimatland, die man hierzulande kaum kennt: Sie heissen Lulo, Camu Camu, Lúcuma, Tumbo, um nur einige zu nennen.
Rund 50 Restaurants zählen zu Gamarras Kunden. Beispielsweise die Oltener Glace-Manufaktur Kalte Lust, sie verarbeitet Lulo zu Sorbet. Lulo schmeckt nach Zitrusfrüchten, Rhabarber, Limette, Passionsfrucht und Ananas. Die Früchte importiert Gamarra nicht in ihrer natürlichen Form, sondern kauft sie vor Ort von einer Bauernvereinigung, die sie erntet, zu Püree verarbeitet und einfriert. Das Risiko, dass frische Früchte auf dem Weg verderben, ist damit inexistent. «Alles, was hier ankommt, wird auch gegessen», sagt Gamarra.
Tumbo statt Limette
Neben den neuen Geschmacksrichtungen, die primär lateinamerikanische Köche und Patissièren in Spitzenküchen begeistern, enthalten die Früchte wertvolle Inhaltsstoffe. Camu Camu hat 50-mal mehr Vitamin C als Orangen, weiss Gamarra. Dafür liess er das gefrorene Püree prüfen, und die Resultate zeigten: Auch nach dem Gefrierprozess ist die Menge an Vitaminen ungefähr gleich hoch. Den meisten Köchen, die hierzulande mit den Pürees arbeiten, geht es indes um den Geschmack. «Sie wollen ihren Gerichten mit den Früchten eine exotische Note verleihen.»
Oder sie setzen gleich ganz auf ein peruanisches Konzept, wie etwa das Nido von Chef Kiko Zeballos im Stadtkreis 3 in Zürich. In seiner «soulful Peruvian kitchen» integriert Zeballos die Frucht Tumbo gekonnt beim Lachs-Tataki. Tumbo wird auch Anden-Passionsfrucht genannt und schmeckt ähnlich wie Maracuya, mit Noten von Pfirsich, Zitrone und Banane. Auf dem Teller werden geflammter Lachs, eingelegte Gurke, knusprige Wan-Tan-Streifen, schwarzer Sesam, Ingwer und Frühlingszwiebeln dank der Tumbo-Emulsion zu einem Gaumentanz.
Tumbo eignet sich auch fürs klassische Ceviche. Dazu hat Gamarra eine interessante Geschichte zu erzählen: Ceviche mit Limetten zu marinieren, war nicht immer Usus, denn Zitrusfrüchte stammen ursprünglich aus Asien und existierten in Peru erst, seit die Spanier im 16. Jahrhundert ankamen. «Davor behalf man sich mit Tumbo, das durchaus Säure mitbringt.»
Die Idee, Früchte aus seinem Heimatland in die Schweiz zu importieren, hatte Gamarra bei einer dreimonatigen Reise durch den Regenwaldstaat Madre de Dios. Er besuchte damals Bauern, die sich in einer Kooperative zusammengeschlossen hatten, damit sie eine kleine Verarbeitungszentrale aufbauen konnten. Ausserdem gab es ein grosses Problem, das bis heute besteht: In den Wäldern suchen Menschen nach Gold, der Regenwald wird dabei zerstört. Da der Abbau illegal ist, wollen diese Leute nicht gestört werden. Kommen sie in Konflikt mit den Bauern, ziehen sie weiter oder lassen von ihrem Vorhaben ab. «Genau deshalb ist es wichtig, dass die Bauern einen Absatzmarkt haben», sagt Gamarra.