Ausgetrunken

Achtung, fertig.

Grundsa╠łtzlich spricht ja nichts gegen Convenience-Drinks, Wein ist schliesslich auch einer. Aufmachen, eingiessen, geniessen, freuen. Wenn es gut la╠łuft.

Da ist es versta╠łndlich, dass so viele Beizen, Restaurants und Cafe╠üs Ready-to-drink-Produkte (kurz: RTD) anbieten. Unversta╠łndlich hingegen ist, warum sie auf minderwertige, fertig gemischte Getra╠łnke setzen, mit denen sie mitunter die qualita╠łtsbewusste Kundschaft vergraulen. Es gibt gute alkoholfreie Getra╠łnke, die man fixfertig kaufen und den Ga╠łsten anbieten kann, tolle Limonaden, Tonics, Kombucha sowie Varianten auf Bierbasis. Aber wo viel Licht ist, ist bekanntlich auch viel Schatten.

Beispiel Apfelschorle: Der Saftanteil bei fertigen Schorlen liegt bei 30 Prozent oder weniger, und bei klarer Apfelschorle handelt es sich um Konzentrat minderer Qualita╠łt. Die Alternative ist ein vernu╠łnftiger, naturtru╠łber Direktsaft mit Mineralwasser. Das erfordert das O╠łffnen von zwei Flaschen. Ist das in Zeiten von Personalmangel zu viel Aufwand?

Ganz oben auf meiner Liste der unno╠łtigen RTD steht das aromatisierte Wasser, von der Industrie als Infused Water angeboten. Darin enthalten: ku╠łnstliche Aromen, Konservierungsstoffe, Industriezucker und Zitronensa╠łure (E 330). Letztere wird aus Mais und Melasse hergestellt, fermentiert mit Aspergillus niger, einem Schimmelpilz. Sie ist grundsa╠łtzlich nicht gesundheitsscha╠łdlich (die Menge macht das Gift), aber hat mit der Sa╠łure von┬áZitronensaft so wenig zu tun wie aromatisiertes Wasser aus dem Supermarkt mit dem selbstgemachten Pendant.

Ich ho╠łre schon die Stimmen: Personalkosten! Zeit! Materialkosten! Stimmt, irgendwie. Aber: Fu╠łr ein gutes aromatisiertes Wasser braucht es Hahnen- oder stilles Mineralwasser, frisches Obst oder Gemu╠łse, ein Messer, ein Schneidbrett und einen Getra╠łnkespender. Zubereitungszeit: zwei Minuten. Morgens angesetzt, in ku╠łrzester Zeit trinkbar. Sprich: minimaler Materialeinsatz bei ordentlicher Gewinnspanne.

Fu╠łr einen alkoholfreien Premix-Mojito aus der Dose zahlen die Ga╠łste in der Gastronomie mitunter so viel wie fu╠łr einen frisch an der Bar hergestellten Cocktail. Eine Premiumisierung der RTD im alkoholfreien Segment ist also zwar bemerkbar, aber schnell gemischte Dosendrinks, die im Prinzip Aromencocktails mit Sa╠łureregulatoren und Konservierungsmitteln sind, hinterlassen einen schalen Beigeschmack, buchsta╠łblich. Da helfen auch keine bekannten Gro╠łssen aus der Rapszene, die unter ihren Namen RTD auf Teebasis lancieren.

RTD mo╠łgen tolle Begleiter zum Picknick, am Strand oder auf Partys sein ÔÇô in Restaurants, Beizen und Cafe╠üs, die besucht werden, um gut zu essen und zu trinken, haben sie wenig verloren. Oder freuen Sie sich im Cafe╠ü u╠łber einen Kuchen aus der Packung, einen Cappuccino aus der Tu╠łte oder Eistee, der aus Pulver angeru╠łhrt wird? Eben.

Nicole Klauss

Kulinarische Autorin und Gastronomieberaterin, neuetrinkkultur.de
Ausgabe: Salz & Pfeffer 4/2022 / Datum: 29.08.2022


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