Mehr Qualität, weniger Müll

Tutaka, der erste Marktplatz für ökologisch-faire Gastro- und Hotelausstattung, ist online. Das Start-up berät Betriebe aber auch in Sachen nachhaltige Kommunikation.
Text: Virginia Nolan – Fotos: z. V. g.
Veröffentlicht: 12.04.2019
Mehrfach brauchen statt wegwerfen: In Deutschland sparen Gastronomiebetriebe durch die Verwendung dieser Glastrinkhalme im Schnitt 50000 Einweg-Röhrli und 500 Euro pro Jahr ein.

«Wer sich ein grünes Image verpasst, ohne sich ernsthaft zu kümmern, hat es sich mit dem modernen Gast verscherzt.»

Der Beschluss ist gefasst: Die EU-Kommission will Einwegplastik in Zukunft verbieten, zumindest teilweise. Wenn alles läuft wie geplant, sollen Produkte wie Plastikgeschirr oder Trinkröhrchen bis 2020 aus den Supermärkten verschwinden. Für zugelassene Plastikprodukte gibt es zudem strengere Kennzeichnungspflichten. Die Schweiz zieht bekanntlich nicht nach. Handlungsbedarf gibt es allerdings auch hierzulande; gerade in der Hotellerie und Gastronomie, in der vom Shampoo-Fläschchen bis zur Take-away-Schale nicht eben wenig Plastikmüll anfällt. Da kommt das Hamburger Start-up Tutaka, das sich derzeit auch ein Schweizer Netzwerk aufbaut, gerade recht. Tutaka, gegründet von Franziska Altenrath und Alexandra Herget, ist der erste Marktplatz für nachhaltige Gastro- und Hotelausstattung.

Nachhaltigkeit ist ein geflügeltes Wort, da tut Erklärung not. «Nachhaltigkeit betrifft Ökologie und Ressourceneffizienz», heisst es von den beiden Jungunternehmerinnen, «aber eben nicht nur. Es geht darum, als Betrieb tragfähige Beziehungen aufzubauen, sowohl zum Mitarbeiter als auch zum Gast.» Ernsthaft um deren Wohlergehen und Gesundheit bemüht zu sein, ihnen Gemeinschaftsgefühl und ein Stück Lebensqualität zu bieten, seien dafür die Voraussetzungen. Ökologisch und fair hergestellte Produkte spielten dabei eine grosse Rolle, ist Herget überzeugt: «Sie differenzieren den Gastgeber erfolgreich von Wettbewerbern und wirken sich positiv auf eine neue Generation von Gästen und Arbeitnehmern aus.»

Ecoisten nennen die Start-up-Gründerinnen die Zielgruppe der umweltbewussten Millennials, von der sie annehmen, dass sie dereinst den Ton angeben wird. «Ecoisten sind Menschen, die Nachhaltigkeit wollen», sagt Altenrath, «weil es gut für die Welt ist und ihnen selbst einen Mehrwert bietet.» Letzterer ergibt sich zum Beispiel aus der Haptik und Ästhetik eines Produkts oder durch seine etwaige Wirkung auf die Gesundheit. Der moderne Gast wisse es etwa zu schätzen, wenn er im Hotel auf schadstofffreie Naturkosmetik stosse, statt sich Duschgels mit bedenklichen Ingredienzen auf die Haut schmieren zu müssen, so Herget. «Wir schauten bei der Auswahl unserer Produkte genau hin», sagt sie. «Auf ökologische und soziale Kriterien, aber eben auch auf andere Mehrwerte, die dem Gast, dem Gastgeber und den Angestellten zugutekommen.» Aus diesen Bemühungen resultiert ein spannender Mix aus unterschiedlichen Produkten. So finden sich auf Tutaka zum Beispiel Kleiderbügel aus recyceltem Karton, plastikfreie Alternativen für Trinkhalme, Wattestäbchen und Zahnbürsten, Gläser und Karaffen aus ausgedienten Weinflaschen, Arbeitsbekleidung und Bettwäsche aus Bio-Baumwolle oder Hotelslipper aus recycelten PET-Flaschen. «Viele unserer Lieferanten sind kleine Manufakturen oder Fabriken», sagt Herget, «manches wird sogar noch in Handarbeit hergestellt.»

«Wir wollen Gastronomen und Hoteliers mit den richtigen Ansprechpartnern zusammenführen, ganz gleich, ob es um Foodwaste, Energieberatung oder Pfandsysteme für Mehrweggeschirr geht», sagen Franziska Altenrath (links) und Alexandra Herget, Gründerinnen von Tutaka.
Waschbar und langlebig: Hotelslipper aus recycelten PET-Flaschen

Tutaka versteht sich aber nicht nur als Marktplatz, sondern auch als Kompetenzzentrum für nachhaltige Konzepte – von der Zero-Waste-Minibar bis zum grünen Businessseminar – und Kommunikationsstrategien. Denn wo Nachhaltigkeit proklamiert wird, steigt auch die Gefahr von Greenwashing. Das ist sozusagen ein Sammelbegriff für PR-Massnahmen, mit denen sich Unternehmen ein grünes Image verpassen, ohne sich auch ernsthaft um ökologische Anliegen zu kümmern. Wer dann vom modernen Konsumenten entlarvt wird, hat es sich in der Regel gründlich mit diesem verscherzt, weiss Herget. Und betont weiter: «Ecoisten fordern Ehrlichkeit und streben nach authentischen Erfahrungen. Sie wollen Gemeinschaft, sich gut und gesund fühlen. Die Produkte, die sie in ihr Leben lassen, erzählen Geschichten. Und zwar gute.» Im Geschichtenerzählen sind Altenrath und Herget geübt, beide bringen jahrelange Erfahrung in der Unternehmenskommunikation mit. Ihr Wissen geben sie Hoteliers und Gastronomen auch an Workshops weiter, etwa zum Thema nachhaltiges Storytelling (siehe Box).

«Nachhaltigkeit ist kein Status, sondern ein Prozess, der einen zwingt, seine Herangehensweise ständig zu hinterfragen», sagt Altenrath. Im Wissen darum, dass niemand die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, stützen sich die beiden Jungunternehmerinnen auf ein breites Netzwerk von interdisziplinären Spezialisten und Partnern, wenn es darum geht, Betriebsabläufe und Dienstleistungen punkto Nachhaltigkeit unter die Lupe zu nehmen. «Unsere Vision ist», sagt Altenrath, «dass wir irgendwann die wichtigste Anlaufstelle für Nachhaltigkeit im Gastgewerbe sind. Eine Plattform nicht nur für Produkte, sondern für Inspiration und Kooperation. Wir wollen Gastronomen und Hoteliers mit den richtigen Ansprechpartnern zusammenführen, ganz gleich, ob es um Foodwaste, Energieberatung oder Pfandsysteme für Mehrweggeschirr geht.»

Der nächste Tutaka-Workshop zum Thema nachhaltiges Storytelling für Hoteliers und Gastronomen findet am 6. Mai 2019 in München statt. Wie gehe ich als Gastgeber mit der Generation der Millenials um? Wie gewinne ich sie als Stammgast oder langjährige Mitarbeiter? Und wie punktet ein Betrieb mit guten Geschichten? Diesen und weiteren Fragen gehen Franziska Altenrath und Alexandra Herget mit den Teilnehmern auf den Grund. Der Workshop im Bader Hotel in München-Parsdorf dauert von 9 bis 17 Uhr und kostet 250 Euro pro Teilnehmer – es sind noch Plätze frei. Mehr Informationen gibts hier.



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