«Ein Dialog ist sicher sinnvoll»

Die Mitarbeiter des Gastgewerbes wurden von der Pandemie schwer getroffen. Wir wollten von Urs Masshardt, Geschäftsleiter der Hotel & Gastro Union, wissen, was der Verband in dieser Zeit für seine Mitglieder geleistet hat.
Interview: Tobias Hüberli – Foto: z. V. g.
Veröffentlicht: 23.06.2020 | Aus: Salz & Pfeffer 3_4/2020
Urs Masshardt

«Die Krise birgt auch Chancen.»

Wie beurteilen Sie die Performance der Hotel & Gastro Union während der Pandemie?
Urs Masshardt:
Für unsere Mitglieder haben wir in dieser schweren Zeit weit über 2000 Telefonauskünfte gegeben und konkrete Hilfestellungen geleistet. Zusätzlich hat die Union proaktiv mehrere 1000 Mitgliedern persönlich angerufen, nach ihrem Befinden gefragt und ihre Hilfe angeboten. In unserer Hotellerie Gastronomie Zeitung sowie den sozialen Medien sind wir zum Thema rund um Corona omnipräsent. Die Anzahl Klicks auf unserer Beratungsseite zum Thema beläuft sich per dato auf 20 000. Innert wenigen Tagen wurden die Informationen an den Schulen in Bezug auf die Sozialpartnerschaft digitalisiert und Dutzende Webinare neu eingeführt. Alles in allem ist das eine beachtliche Leistung.

Während die Arbeitgeberverbände regelmässig in den Medien waren, nahm man die Gewerkschaften kaum wahr. Wo waren Sie?
Zuerst einmal ist die Hotel & Gastro Union keine Gewerkschaft, wir verstehen uns als Berufsorganisation der Branche. Wir haben bewusst nicht politisch rumgeweibelt, sondern haben im Hintergrund viel für unsere Mitglieder, die Mitarbeitenden gemacht. Sie haben gespürt, dass ihr Verband in dieser Krise persönlich für sie da ist. Bei der Erarbeitung des Schutzkonzeptes haben wir ausserdem aktiv mitgewirkt – und zwar sehr spezifisch pro Berufsverband.

Kam die Ă–ffnung aus Ihrer Sicht zu frĂĽh?
Die Union begrüsst die zügige Öffnung der Betriebe unter Beachtung des Schutzkonzepts. Es ist wichtig, dass die Betriebe wieder Gäste begrüssen können. Mindestens ebenso wichtig ist, dass das Gastgewerbe nicht für eine zweite Welle verantwortlich zeichnet. Bis jetzt läuft die schrittweise Wiedereröffnung zufriedenstellend. Ob zu früh oder zu spät, diese Beurteilung überlassen wir den Experten. Meine persönliche Meinung lautet wie folgt: Wirtschaftskrisen hat es auf dieser Welt schon einige gegeben, die Wirtschaft hat sich immer wieder erholt. Dies nicht zuletzt dank den Mitarbeitenden. Ein verstorbener Mensch steht jedoch nicht mehr auf, tot bleibt tot.

Wie sollen sich die Arbeitnehmer der Gastronomie auf die bevorstehende Rezession wappnen?
Bildung sowie die Loyalität zu Arbeitgeber und der Branche werden wohl entscheidend sein. Die Bildung haben die Mitarbeitenden weitgehend selbst in der Hand. Finanziert ist sie grösstenteils durch den L-GAV, notabene dank der Hotel & Gastro Union und ihren Mitgliedern. Die Loyalität, sprich das Vertrauen, die gegenseitige Verlässlichkeit und Sicherheit gilt es zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufzubauen und stets weiter zu festigen. Eine gelebte Sozialpartnerschaft wird ebenfalls entscheidend sein. Die Krise birgt auch Chancen. Es werden einige Betriebe, die schon vor Corona gekriselt haben, ihre Türen schliessen. Das kann man bedauern. Auf der anderen Seite bin ich überzeugt, dass gute Betriebe mit wertschätzender Führung die Krise bewältigen werden und letztlich dank Innovationskraft, angepassten Abläufen und gelebter Loyalität gestärkt aus der Krise gehen werden.

Gibt es einen Dialog mit den Arbeitgeberverbänden, um die Krise gemeinsam zu meistern?
Ein solcher ist sicher sinnvoll. Gespräche sind im Gange. Spruchreif ist jedoch noch nichts. 



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