Den dritten Stern im Blick

Nichts weniger als das beste Grand Hotel Europas soll das Grand Hotel Quellenhof werden. Im Interview verrät CEO Patrick Vogler, was dafür noch fehlt und mit welcher Strategie er dieses Ziel tatsächlich erreichen will.
Interview: Tobias Hüberli – Fotos: Njazi Nivokazi
Veröffentlicht: 21.08.2018 | Aus: Salz & Pfeffer 5/2018

«Sein Ziel ist es ganz klar, zusammen mit uns den dritten Stern zu holen.»

Konnten Sie sich jemals vorstellen, Chef eines Luxus-Resorts zu sein?
Patrick Vogler: Keinesfalls. Ich komme nun wirklich aus einer ganz anderen Ecke. Als ich das erste Mal ein Fünf-Sterne-Haus betrat, war ich bereits über 20 Jahre alt.

Seit dem 1. Juli 2017 verantworten Sie das Grand Resort Bad Ragaz als CEO. Dieses wollen Sie in Europa zum besten seiner Art machen. Was fehlt heute noch dazu?
Wir verbinden seit Jahrzehnten Luxushotellerie und Gesundheit. In der Kulinarik sehen wir weiteres Potenzial. Deshalb werden wir nächstes Jahr die Restauration im Quellenhof komplett neu gestalten und mit Zwei-Sterne-Koch Sven Wassmer zusätzliche Akzente setzen. Aber auch das medizinische Angebot soll noch ganzheitlicher werden. Wir wollen unseren Gästen ein Rundumprogramm bieten, das ihnen erlaubt, bei uns Kraft und Energie zu tanken.

Während die Logierzahlen letztes Jahr zurückgingen, wächst die medizinische Sparte konstant. Ist das die Zukunft des Resorts?
Der Ursprung dieses Hauses ist das 36,5 Grad Celsius warme Thermalwasser, von dem seit über 700 Jahren 6000 Liter pro Minute aus dem Boden sprudeln. Dieses Wasser ist der Nährboden für alles, was wir in Bad Ragaz vorantreiben. Unsere medizinische Kompetenz zeichnet uns nicht nur national, sondern auch international aus. Mittlerweile arbeiten über 120 Mitarbeitende im medizinischen Bereich. Unsere Rehabilitationsklinik Clinic Bad Ragaz wächst Jahr für Jahr im zweistelligen Prozentbereich. Nebst unseren Hotelgästen betreuen wir auch regionale Gäste rund um die Themen Rheumatologie, Sportmedizin, Bewegung, Ernährung und Stoffwechsel sowie Schönheit und Dermatologie.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Wirtschaftslage für die Schweizer Hotellerie?
Schweiz Tourismus ist sehr optimistisch. Auch wir hatten ein gutes erstes Halbjahr. Aufgrund der positiven Wirtschaftslage rechnen wir wieder vermehrt mit Gästen aus der Schweiz und auch aus Deutschland. Während des Umbaus werden unsere Logierzahlen im ersten Halbjahr 2019 sinken. Ab August nächsten Jahres starten wir aber mit einem modernisierten Quellenhof, der neuen Restauration und den geplanten Jubiläumsaktivitäten durch.

Mit Sven Wassmer holen Sie einen weiteren Sternekoch nach Bad Ragaz. Welche Strategie verfolgen Sie?
Wir wollen zu einem kulinarischen Hotspot werden und unseren Gästen eine gastronomische Palette auf höchstem Level bieten. Sven Wassmer kocht auf einem Zwei-Sterne-Niveau. Sein Ziel ist es ganz klar, zusammen mit uns in, sagen wir mal drei Jahren, den dritten Stern zu holen. Das Potenzial dafür bringt er mit. Gratis ist sowas nicht zu haben. Vor drei Jahren fragten uns viele, wieso wir das Restaurant Igniv by Andreas Caminada und Silvio Germann brauchten – wir hätten mit Renato Wüst doch bereits einen hervorragenden Koch im Haus. Fakt ist, dass viele unserer Gäste diese Spitzengastronomie in einer solchen Breite sehr schätzen. Zudem haben sich die vielen Köche nicht behindert, sondern befruchtet. Das Igniv hat uns neue Gäste und zusätzliche Übernachtungen beschert. Wir möchten unsere 263 Zimmer möglichst jeden Abend füllen. Dabei unterstützt uns die Gastronomie stark, und ausserdem bringt sie viel Leben ins Resort.

Sven Wassmer wurde diesen Frühling ziemlich unverhofft frei. Entstand der Plan, drei Sterne ins Haus zu holen, mit ihm oder bereits vorher?
Auch andere Namen waren im Spiel – mehr verrate ich Ihnen aber nicht dazu. Wir arbeiten schon lange daran, das beste Grand Hotel Europas zu werden. Die Frage war, ob wir das mit der heutigen Restauration erreichen oder ob wir noch einen Zacken zulegen müssen, insbesondere im Quellenhof, der nächstes Jahr sein 150-Jahr-Jubiläum feiert.

Sven Wassmer wie auch Silvio Germann sind Zöglinge von Andreas Caminada. Welchen Einfluss hat der Drei-Sterne-Koch?
Wir pflegen eine sehr konstruktive Zusammenarbeit. Caminada führt das Restaurant Igniv mit, und wir kauften uns Anfang Jahr bei seinem Cateringunternehmen Acasa ein. Es ist für beide Seiten ein Gewinn. Weil wir uns gegenseitig Geschäfte zuspielen können, funktioniert das sehr gut.

Im Quellenhof investieren Sie nächstes Jahr 40 Millionen Franken. Wie schwierig ist es für Sie, diese Summe zu organisieren?
Wir sind heute dank des sehr guten Cash-flows in der glücklichen Lage, die Renovation selbst, also mit eigenen Mitteln und über die Banken, zu finanzieren. Wir reduzierten unsere Bankschulden in den vergangenen zehn Jahren markant und verschafften uns so Spielraum für diese Investitionen, ohne auf die Aktionäre für eine Kapitalerhöhung zurückgehen zu müssen.

Sie planen überdies, in eine Fussball-Infrastruktur zu investieren. Ist das ein wachsendes Geschäft – auch in Abwesenheit von Fussballweltmeisterschaften?
Dieses Jahr kamen die Nationalmannschaft von Saudi-Arabien, der FC St. Gallen, Borussia Dortmund und West Ham United zu uns. Es könnten aber viel mehr Vereine sein. Wir haben Anfragen vom Who’s who des europäischen Klubfussballs. Und es ist schade, dass wir die meisten ablehnen müssen, weil uns der Fussballplatz fehlt. Darum versuchen wir, einen eigenen zu bauen. Fertig wird er aber frühestens 2020 sein.

Welchen Führungsstil pflegen Sie?
Ich bin team- und konsensorientiert. Unsere Werte Respekt, Leidenschaft, Fortschritt und Nachhaltigkeit leben wir als Vorgesetzte aktiv vor. Zudem lege ich grossen Wert darauf, interdisziplinär zu arbeiten. Das ist in unserem vielschichtigen Betrieb zentral. Die Mitarbeiter aus der Luxushotellerie und der Medizin müssen sich untereinander verstehen, um die Gästewünsche zu erfüllen oder wenn möglich zu übertreffen.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Die Marke Grand Resort Bad Ragaz soll europaweit an erster Stelle stehen, wenn von Luxushotellerie und Gesundheit die Rede ist. Wir wollen nach dem Umbau wieder jährlich 100 000 Übernachtungen generieren. Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Zudem wollen wir zum Arbeitgeber erster Wahl werden. Aus- und Weiterbildung stehen bei uns im Fokus und werden gezielt auch zur Karriereförderung eingesetzt. Die Mitarbeiter stehen für mich an erster Stelle. Sind die Mitarbeitenden glücklich, überträgt sich das auch auf unsere Gäste.

Es heisst, die Stimmung zwischen Dorf und Resort sei nicht immer einfach.
Es gibt wohl eine gewisse Schwellenangst. Viele Dorfbewohner wagen es nicht, das Resort zu betreten. Daran müssen wir sicher arbeiten und uns regional noch stärker verankern. Wir werden teilweise als snobistisch wahrgenommen, obwohl wir das gar nicht sind. Gerade wenn ich unsere Gästefeedbacks anschaue, werden wir als sehr menschliches, nahbares Haus beschrieben.

In welchem Bereich des Resorts fühlen Sie sich am wohlsten?
Da gibt es keinen, der speziell heraussticht. In den letzten zehn Jahren hatte ich mit allen Geschäftssparten zu tun. Das Casino führte ich während rund zwei Jahren selbst. Im Aufbau der Klinik war ich sehr stark involviert, und in der Hotellerie absolvierte ich oft Stellvertretungen an vorderster Front. Ich habe keinen Lieblingsbereich. Selbst die Golfplätze bereiten mir viel Freude, obwohl ich selbst nicht spiele.

Mit dem Palais Bad Ragaz nahm die renommierte Hotelvereinigung Relais & Châteaux den Teilbereich des Resorts auf.
Das ist speziell. Wir führen das Hotel aber als separates Haus, mit eigenem Gastgeber und eigener Website. Auch da gehts darum, zusätzliche Märkte, wie die USA, anzusprechen, um am Ende die 100 000 Übernachtungen einzuspielen. Heute sind wir bei 91 000 Nächten. Sie sehen, wir müssen schon noch etwas zulegen.

Patrick Vogler (43) wuchs in der Ostschweiz und in Brig auf. Nach einer Banklehre absolvierte er die Fachhochschule für Wirtschaft in St. Gallen und heuerte beim Unternehmensberater KPMG an. Dort wirkte er als Wirtschaftsprüfer und betreute zahlreiche Projekte im Hospitality-Bereich, immer wieder auch fürs Grand Resort Bad Ragaz. 2008 holte ihn der damalige CEO Peter Tschirky als kaufmännischen Direktor und seinen Stellvertreter ins Grand Resort Bad Ragaz. Letztes Jahr im Juli übernahm Vogler nun Tschirkys Nachfolge. Seither treibt er zusammen mit General Manager Grand Hotels Marco R. Zanolari verschiedene Projekte voran: unter anderem den für Anfang 2019 geplanten Umbau des Grand Hotels Quellenhof sowie die zwei neuen Gastronomiekonzepte im ehemaligen Restaurant Bel-Air, die im August 2019 unter der Führung von Zwei-Sterne-Koch Sven Wassmer eröffnen sollen. Patrick Vogler fährt leidenschaftlich gerne Snowboard, joggt regelmässig, ist verheiratet und Vater von drei Kindern im Schulalter.

www.resortragaz.ch



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