«Wollen etwas reissen»

Seit letztem Sommer f√ľhren Anna Hug und Marianne W√ľthrich Gross die Hug AG als Doppelspitze im Teilzeitpensum. Ein Gespr√§ch √ľber Grundwerte, Vorbilder und ein Gesch√§ft, in dem die Post abgeht.
Interview: Tobias Hüberli ‚Äď Foto: z. V. g.
Veröffentlicht: 14.02.2023 | Aus: Salz & Pfeffer 1/2023
Anna Hug und Marianne Wüthrich Gross

¬ęWir teilen unsere Grundwerte.¬Ľ

Kennen Sie sich eigentlich schon lange?
Anna Hug: Bereits eine ganze Weile. Als ich 1998 an unserem damaligen Standort in Trimbach ein Praktikum absolvierte, war Marianne meine Chefin. Und später waren wir lange gemeinsam in der Geschäfts­leitung unterwegs, allerdings jede mit einem eigenen Bereich. Wir wussten also, worauf wir uns einlassen.

Wie ist es eigentlich, eine Firma gemeinsam zu f√ľhren?
Marianne W√ľthrich Gross:¬†
In unserem Fall ziemlich cool. Speziell ist, dass wir nicht beide alles machen, sondern eigene Unter¬≠nehmensbereiche verantworten. Anna √ľbernimmt das Marketing, das Personal und den Verkauf, ich k√ľmmere mich um die Finanzen und die Produktion. Wir m√ľssen also nicht jedes Komma abstimmen. Aber es kommt immer wieder zu Situationen, in denen es nicht nur einen Weg gibt. In solchen F√§llen kann es ein¬≠sam sein an der Spitze. Ich finde es deshalb als sehr bereichernd und hilfreich, meine Gedanken mit Anna teilen zu k√∂nnen.

Inwiefern ergänzen Sie sich?
Hug: Wir sind vom Profil her zwar sehr unterschiedlich ¬≠ Marianne ist Ingenieu¬≠rin, ich komme aus dem Marketing¬≠ und Verkaufsbereich ‚Äď, aber punkto Pers√∂n¬≠lichkeit ticken wir gleich. Wir teilen un¬≠sere Grundwerte.

Die da wären?
W√ľthrich Gross: Wir haben ein sehr positi¬≠ves Menschenbild, setzen viel Vertrauen in unsere Organisation sowie in unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Hug: Wir fördern beide die Selbstkompe­tenz der Mitarbeitenden.
W√ľthrich Gross: Und nat√ľrlich wollen wir beide etwas reissen. Wir haben die Ambi¬≠tion, etwas zu erreichen.
Hug: Ich finde, wir pflegen innerhalb des Unternehmens eine wirklich gute Kultur, in der jede jedem hilft. Das ist uns beiden sehr wichtig. Wir lachen viel, sind herz¬≠lich und tragen das in die Firma hinein. Das ist anderen Managern vielleicht we¬≠niger wichtig, aber f√ľr uns ist es zentral, dass wir diese Kultur aktiv leben. Dazu¬†geh√∂rt auch das Feiern gemeinsamer Erfolge. Das machen wir gerne.

Die Hug AG ist bekannt f√ľr eine lockere Unternehmenskultur. Macht das harte Entscheide, die es doch auch zu f√§llen gibt, nicht komplizierter?
W√ľthrich Gross: Wir probieren, in den Themen mit Argumenten zu √ľberzeugen. Aber klar, es gibt auch disziplinarische Fragen, in denen man alle gleich behan¬≠deln und die Dinge klar benennen muss. Da sind unsere Gsp√§nli in der Gesch√§fts¬≠leitung aber st√§rker gefordert, weil wir mit den meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht direkt zu tun haben.

Sie arbeiten beide in einem 70-Prozent- Pensum. Wie klappt die Trennung von Arbeit und Privatem?
Hug: Die ist nicht sehr scharf, ehrlich ge­sagt, allerdings respektieren wir beide unsere Pausen.
W√ľthrich Gross: Mit Annas Vater Werner Hug und ihrem Onkel Andreas Hug ha¬≠ben wir diesbez√ľglich zwei gute Vorbil¬≠der. Es war schon immer so, dass man in der Hug AG auf das Privatleben achtete. Wenn besonders viel Schnee fiel oder auf dem See ein guter Wind blies, war das durchaus ein Grund, eine Sitzung mal um einen Tag zu verschieben. Klar, so einen Joker kann man nicht jede Woche ziehen, aber ab und zu liegt das schon drin.

Wie w√ľrden Sie die Marktsituation der Hug AG in der Schweiz beschreiben: eher als trockenen Keks oder als Cremeschnitte?
Hug: Die Schweiz ist f√ľr uns noch immer der wichtigste Markt. Symbolisch gespro¬≠chen also klar eine Cremeschnitte. Wobei der Detailhandel hart umk√§mpft ist. Die Frequenzen in den Superm√§rkten haben abgenommen, das sp√ľren wir mit r√ľck¬≠l√§ufigen Ums√§tzen. Sehr erfreulich ist hin¬≠gegen die Entwicklung im Foodservice. Da haben wir das Tal durchschritten und sind heute besser unterwegs als vor der Covid¬≠-Pandemie. Der Fachkr√§ftemangel in der Gastronomie spielt uns in die Kar¬≠ten. Wir merken, dass die Betriebe unsere Tartelettes, aber auch die Tiefk√ľhl¬≠produkte st√§rker nachfragen, weil in den K√ľchen Personal fehlt. Wir haben aber auch gute Innovationen lanciert, die bes¬≠tens funktionieren, da hatten wir viel¬≠leicht etwas Gl√ľck.

Und eine hoch entwickelte Produktion. Wie ist da die Lage?
W√ľthrich Gross: Wir werden in den n√§chsten zwei Jahren zehn Millionen Franken in eine neue Produktionslinie f√ľr unsere Tartelettes investieren. In diesem Gesch√§ft geht derzeit wirklich die Post ab, insbe¬≠sondere auch im Ausland.
Hug: Dank der automatisierten Produk­tion sind wir trotz höherer Rohstoff­preise auch international kompetitiv. Die meisten Mitbewerber stellen ihre Tarte­lettes von Hand her und können mit den steigenden Lohnkosten nicht mithalten. Die Tartelettes sind eines der wenigen Produkte von uns, das wirklich export­fähig ist.

Welche Märkte haben Sie im Auge?
Hug: Die USA sind seit 40 Jahren ein Kernmarkt. Stark ausgebaut haben wir in den letzten 20 Jahren auch das Geschäft mit dem Nahen und Fernen Osten. Wäh­rend der Pandemie haben wir aber auch in Europa stark zugelegt. England ist heute nach den USA unser zweitwich­tigster Auslandmarkt.

Was w√ľnschen Sie sich f√ľr die Zukunft?
W√ľthrich Gross: Dass wir auch im Retail wieder auf einen Wachstumskurs zur√ľck¬≠kehren k√∂nnen. Und dass die Segmente Retail und Foodservice dereinst etwa gleich gross sind. Zudem w√ľnsche ich mir, dass wir weiterhin den gr√∂ssten Teil unserer Produkte in Malters und in Willisau produzieren k√∂nnen. Es ist wichtig, dem Standort Sorge zu tragen. Das ist f√ľr mich eine Lebensaufgabe.
Hug: Ich habe einen ganz banalen Wunsch: tiefere Stromkosten. Und ich hoffe, dass wir unsere tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei uns halten k√∂nnen. Denn auch wir sp√ľren den Fachkr√§ftemangel, in der Produktion schon seit Jahren, neuer¬≠ dings aber in allen Berufen.

Ein gutes Jahr f√ľr die Hug AG
Die Hug AG blickt auf ein gutes Gesch√§ftsjahr zur√ľck. In der Schweiz wie auch im Export erzielte das in Malters ans√§ssige Unternehmen Ums√§tze, die deutlich √ľber dem Niveau vor der Pandemie liegen. Konkret wuchs der Gesamtumsatz um zehn Millionen auf total 123 Millionen Franken. Stark entwickelte sich der Foodservice mit einem Wachstum von 33 Prozent. Demgegen√ľber stand 2022 eine eher ver¬≠haltene Entwicklung im Retail¬≠-Gesch√§ft. Der ¬ęCorona¬≠-Effekt¬Ľ und das damit ver¬≠bundene Ausbleiben des Einkaufstourismus sei verflogen, heisst es in einer Medienmitteilung. Trotzdem konnte die Marke Wernli in der Kategorie Biscuits deutlich zulegen und knapp ein Prozent Marktanteil dazugewinnen. W√§hrend der Auftritt der Marke Dar-¬≠Vida im vergangenen Herbst komplett √ľberarbeitet wurde, ist ein solcher Schritt 2023 f√ľr Wernli geplant. In die Zukunft blicken die Verant¬≠wortlichen von Hug vorsichtig optimistisch. Die Beschaffungssituation von gewissen Roh¬≠ und Packstoffen bleibe weiterhin angespannt. Zudem werden sich die Stromkosten voraussichtlich verf√ľnffachen. In den kommenden zwei Jahren plant das Unternehmen, insgesamt zehn Millionen Franken in die Erneuerung einer Tartelettes¬≠-Produktionslinie zu investieren, da man 2023 mit einem kr√§ftigen Wachstum im Foodservice sowie im Export rechnet.
hug-familie.ch



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